Ein bißchen irritiert dieses Buch zuerst. Gemessen an dem, was sonst an Aufgeregtheiten Anregung liefert für Photographien und Bildbände, ist das Thema „Ein Sommertag“ hier geradezu idyllisch präsentiert. Mit Bildern gänzlich undramatischer Privatheit überrascht uns ein Photograph aus Amerika. Darf man das so in ein Buch bringen, fragt sich der eher zäuneziehende Europäer? Man muß also versuchen, diese Bilder wie ein Amerikaner zu sehen, muß denken an die freundlich-lockere Unverbindlichkeit der Amerikaner, an die Bereitschaft zur Geselligkeit auch mit Unbekannten. Dann hat man leichter Zugang zu den Bildern, die ein schon ungewohntes Maß an Ruhe und Entspannung ausstrahlen. Sicher spielt es auch eine Rolle, das alle Photos mit einer großformatigen Plattenkamera (20×25 cm) aufgenommen wurden. Das zwingt zum bedächtigen Umgang mit Apparat und Motiv. Das führt aber auch zu einer sonst nicht möglichen Detailgenauigkeit. Die wiederum hat allem Anschein nach der Drucker diese Buches hervorragend wiedergeben können. So daß sich am Ende für den Betrachter eine leise Harmonie ausbreitet: So lebt, sieht, agiert eine Gruppe von Menschen in einem friedlichen Land an einem glücklichen Sommertag. Klar, wir wissen, daß das Land nicht friedlich ist und die Leute nicht nur glücklich. Aber was tut’s, das Kunststück schafft seine eigene Welt. Und es könnte gut sein, daß aus „Ein Sommertag“ ein Kultbuch würde – der Photograph als Guru.

Norbert Denkel