Von Daniel Stiles

Es hat geregnet in Afrika. In den meisten Ländern des Kontinents gab es im vergangenen Jahr normale oder fast normale Niederschläge, und einige Staaten erwarten für die kommende Saison Rekordernten: Ist die afrikanische Hungerkatastrophe endlich überwunden – zumindest bis zur nächsten Dürreperiode?

Leider ist die Antwort: nein. Denn nach wie vor hängen in Afrika zwölf Millionen Menschen am Tropf der internationalen Hilfsorganisationen. Das Uno-Hochkommissariat für Flüchtlinge, aber auch private Einrichtungen – wie Oxfam und die Organisation Save the Children – liefern weiterhin große Mengen Nahrungsmittel in Länder wie den Sudan, Äthiopien oder Mozambique, um Menschen vor dem Hungertod zu retten. Die internationale Landwirtschafts- und Ernährungsorganisation FAO schätzt, daß Afrika mehr als acht Millionen Tonnen Importgetreide im Wert von 2,5 Milliarden Dollar braucht, um die Hungernden über die nächsten Monate zu bringen.

Doch warum sind die afrikanischen Länder trotz des Endes der Dürreperiode nicht in der Lage, sich selbst zu versorgen? Die Gründe liegen weiter zurück: Schon in der Dekade zwischen 1970 und 1980 – also vor der großen Dürre – sank in Afrika die Nahrungsmittelproduktion pro Kopf der Bevölkerung um elf Prozent; Getreideimporte gehören seither zur Tagesordnung.

Die Bevölkerung wuchs schnell, die Produktionskraft der Böden, die von den Bauern überbeansprucht wurden, ging an vielen Orten dramatisch zurück. Beide Prozesse setzen sich fort. Da viele afrikanische Staaten keine Anstalten treffen, ihre Geburtenrate zu bremsen, ist es unwahrscheinlich, daß das jährliche Bevölkerungswachstum in naher Zukunft unter die Drei-Prozent-Marke sinkt.

Afrika kann sich also kurz- und mittelfristig nur helfen, wenn es mehr Nahrungsmittel produziert. Doch wie sollen die Afrikaner mehr Nahrung produzieren, wenn sie durch eine falsche Agrarwirtschaft immer mehr Land an die Wüste abgeben müssen? Brandrodung, Übernutzung der Weiden und das Abholzen der Wälder für Heizzwecke laugen die Böden aus. Auch zerfurchen die afrikanischen Bauern mit ihren Dabas, den Handpflügen, die Böden so tief, daß der Wind die wertvolle Krume davonträgt, bevor das Saatgut keimen kann. Die Folge: der Verlust fruchtbarer Böden, Erosion und schließlich der Übergang in Wüstenlandschaft.

Obwohl derzeit auch in Europa und den Vereinigten Staaten die unfruchtbaren Gebiete zunehmen, verläuft die Verwüstung nirgendwo so dramatisch wie in Afrika. Weltweit – so heißt es in einem Report der Umweltorganisation der Vereinten Nationen (UNEP) – waren 1984 bereits 35 Millionen Quadratkilometer Trockengebiete mehr oder weniger verwüstet. Das sind immerhin vierzig Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche auf der Erde. Und jedes Jahr wachsen die Wüsten nochmals um 60 000 Quadratkilometer an – das ist eine Fläche, die doppelt so groß ist wie Beigien. Weitere 210 000 Quadratkilometer versteppen jedes Jahr so weit, daß es sich zumindest nicht mehr lohnt, dort Landbau zu betreiben. Rund 850 Millionen Menschen – fast ein Fünftel der Weltbevölkerung – sind davon akut betroffen.