Die texanische Stadt San Antonio ist durchwirkt von mexikanischer Farbenpracht

Von Klaus Viedebantt

Texas’ höhere Töchter wirkten etwas altjüngferlich, etwas säuerlich-spitzmündig: Hatte es doch so ein Flegel aus dem Mittleren Westen gewagt, seine Baseballkappe in ihrem Heiligtum aufzubehalten, im „Alamo“. Die „Töchter der Republik Texas“ pflegen und verwalten seit über achtzig Jahren diesen Schrein texanischen Glaubens in San Antonio.

Die „Töchter“, die sich als der Adel des Staates verstehen, haben nichts gemein mit den dollarschweren Debütantinnen aus den texanischen Öl- und Rinderdynastien, die in den vornehmen Internaten der Ostküste gute Manieren studieren und sich ihren breiten Heimatakzent abgewöhnen sollen. Die „Töchter der Republik“ hingegen sind stolz auf ihr auffälliges Texanisch – schließlich sind sie allesamt Abkömmlinge jener 187 Männer, die in der legendären „Schlacht von Alamo“ fielen und mit ihrem Tod die Gründung der Republik Texas ermöglichten. All das geschah 1836, und deshalb feiert der zweitgrößte US-Staat jetzt auch ein Jahr lang sein Bestehen seit 150 Jahren. Damals, als alles begann, war Texas noch eine mexikanische Provinz. Aber rund 20 000 amerikanische Siedler hatten schon eine Lizenz, in der von Mexiko wenig geliebten Provinz Ackerbau und Viehzucht zu betreiben. Um diesem Geschäft profitabel nachgehen zu können, hatten die Farmer entgegen mexikanischer Anordnung Negersklaven ins Land geholt. Das war einer der Streitpunkte zwischen den US-Siedlern und der Regierung in Mexiko-City, ein anderer war die neue zentralistische Verwaltung.

Als der Sprecher der Siedler, Stephen Austin, zu Verhandlungen mit General Antonio Lopez de Santa Anna, dem neuen Präsidenten, 1833 nach Mexiko-City kam, ließ der selbstherrliche Offizier den Amerikaner kurzerhand einsperren. Erst zwei Jahre später wurde Austin wieder freigelassen. Inzwischen hatte sich in Texas eine Befreiungsbewegung mit einer provisorischen Regierung gegründet. Sam Houston leitete deren kleine Miliztruppe, zu denen auch die Verteidiger des Alamo gehörten.

William Travis, James Bowie, David Crockett und James Bonham sind die bekanntesten unter den „Helden vom 6. März 1836“. An diesem Tag griff der mexikanische Präsident Santa Anna persönlich mit 3000 Mann das Kloster Alamo an, er überwand die Bollwerke nach 13 Tagen der Belagerung und ließ alle Verwundeten niedermachen. Seine Truppe wurde dabei um ein Fünftel reduziert. „Noch solch ein Sieg und wir sind ruiniert“, kommentierte seinerzeit verzweifelt der mexikanische Colonel Juan Almonte. Es kam noch schlimmer: Am 21. April schlugen die Texas-Milizen, die sich während der Belagerung des Alamo neu formieren konnten, bei San Jacinto Santa Annas Heer vernichtend, der Schlachtruf der Texasboys lautete: „Remember the Alamo!“

Streitbarer Töchter-Zirkel