Washington

Die Nasa rechnet damit, daß der nächste Shuttle im Februar 1987 starten kann. Das erklärte in einem ZEIT-Gespräch der Abteilungsleiter für langfristige Planung, Jesco von Puttkamer. Die neue Terminschätzung der Nasa gründet sich auf die Annahme, daß bis Anfang nächsten Jahres die „Booster“-Raketen mit erheblichem Finanzaufwand umgebaut und die Trennfugen zwischen den einzelnen Segmenten der Raketen „absolut narrensicher“ abgedichtet werden können. Die Dichtungen müßten auf alle Fälle verbessert werden, sagte von Puttkamer, obwohl er selber noch nicht davon überzeugt ist, daß es die Einwirkung der Kälte auf die Gummiringe war, die zu dem verhängnisvollen Leck in der Feststoffrakete führte.

Die Zeit, bis die umgebauten Raketen verfügbar sind, werde man auch dafür nutzen, die Raumfähre vom Bug bis lyse zu unterziehen und kritische Elemente zu verbessern. Auch danach werde es aber noch Systeme geben, die man – selbst mit noch so viel Geld – „nicht absolut sicher“ bauen kann. Er halte es indessen für möglich, daß die Forderung an die Nasa, der Shuttle müsse sich finanziell selbst tragen, fallengelassen oder mindestens bis zum Anfang der neunziger Jahre suspendiert wird.

Jesco von Puttkamer, den noch Wernher von Braun nach Huntsville, Alabama, in sein Team geholt hatte und der seit 25 Jahren der amerikanischen Raumfahrt verbunden ist, zeigt sich überrascht, daß Astronauten wie John Young und Sally Ride jetzt nach der Challenger-Explosion mit scharfer Kritik am Shuttle-Programm und an den Sicherheitsnormen der Nasa in die Öffentlichkeit gegangen sind. Wären die Stimmen von Young und Ride schon früher, vor ein oder zwei Jahren laut geworden, „dann wäre vielleicht das Unglück nicht passiert“.

Damals aber habe sich „keiner der Astronauten, schon gar nicht Young, der sechsmal und nicht immer unter ganz sicheren Umständen im All gewesen ist, zur Flugsicherheit geäußert“. Die Anspielung von Puttkamers, daß Sicherheitsbedenken früher nicht zum selbstgewählten Persönlichkeitsbild der Astronauten gehörten, wurde dieser Tage durch den Astronauten Vance Brand bestätigt: „Wenn die Sache lange Zeit sehr gut gegangen ist, dann denkt man über Sicherheit nicht viel nach.“

Aber die Nasa, die das Sicherheitsdenken immer als ihre erste und vornehmste Pflicht ansah und dafür auch berühmt war, hat auch sie unter dem Druck eines Shuttle-Flugplans mit wachsender Frequenz darin nachgelassen? Jesco von Puttkamer bestreitet das entschieden: Die Glaubwürdigkeit, welche die Nasa dadurch errang, daß sie immer genau das tat, was zu tun sie vorher angekündigt hatte, diese Glaubwürdigkeit habe sie auch beim Shuttle-Programm beweisen wollen. Von Puttkamer: „Da ist natürlich ein gewisser Druck, aber kein schlimmerer als der für eine Fluglinie, die ein Flugzeug pünktlich starten muß, weil sie sonst die Passagiere verliert.“

Flugsicherheit und Überlebenschancen der Astronauten seien in dem Bemühen um „Einhaltung des Fahrplans“ weder bewußt noch wissentlich vernachlässigt worden. Wenn die Sicherheitsreserven hier und da „etwas dünner“ bemessen wurden, so sei das auf die ungewisse Finanzierungsgrundlage zurückzuführen. Dauernd habe die Nasa darum bangen müssen, ob der Kongreß auch die benötigten Gelder genehmigt.