Im Mittelalter soll Córdoba die höchste Kultur des Abendlandes besessen haben

Von René Drommert

Wie bitte? Sollte es etwa konventionellspießig sein, in Andalusien außer Sevilla und Granada auch Córdoba zu besuchen? „Wer wenig Zeit hat“, lese ich in einem Reiseführer, „sollte... vielleicht am ehesten auf Cordoba verzichten.“ Gewiß, da sind „die gewohnt häßlichen Vororte, durchsetzt mit Industrie, Halbfertigem und Halbverfallenem“.

Aber den „häßlichen Vororten“ (in wie vielen berühmten Weltstädten gibt es denn nicht häßliche Vororte?) ist viel Reizvolles entgegenzusetzten. Die Altstadt zum Beispiel, nicht nur die „Juderia“, das Judenviertel, mit einer der berühmtesten Synagogen Spaniens, sondern auch die schmalen, gewundenen Gäßchen mit den kleinen weiß-getünchten Häusern im arabischen Stil, die Höfe, spanisch „patios“, die man, falls man mit der Vokabel malerisch zögert, zungenfertig „lauschig“ nennt.

Córdoba, der Name wird von „corteb“ abgeleitet, was Ölmühle heißt, soll im zehnten Jahrhundert (genaue Zählungen gab es nicht, geschweige denn Datenschutz) circa eine Million Einwohner gehabt haben. Heute, die Stadt erholt sich langsam von ihrem Bevölkerungsschwund, sind es circa 250 000. Die Stadt am Guadalquivir galt einst als die „glanzvolle Nachfolgerin Roms“, hatte 300 Moscheen, hatte eine Universität, deren Bibliothek (das ist sicherlich über den Daumen gepeilt, aber immerhin) 400 000 Bücher enthielt. Von ursprünglich 300 maurischen Bädern sind ganze zwei erhalten geblieben.

Fortschrittliche Infrastruktur

Im Jahre 756 gründete der Omaijade (Kalifendynastie) Abd ar-Rahman das unabhängige Emirat Córdoba. Er galt als rauher Krieger. Aber was immer das gewesen sein mag: er ließ Paläste, Bäder, Schulen errichten und Gärten anlegen. Ein Grundstück, auf dem die westgotische Kathedrale stand, entriß er nicht den Christen, er kaufte es ihnen 785 ab.