ARD und ZDF, Sonntag, 16. März: Berichte von den französischen Wahlen

Der Moderator lachte, lange und laut. Geschehen nämlich war dieses: Hellwach und reaktionsschnell wie immer hatte sich Ihr und unser ZDF in eine Sendung des französischen Fernsehens eingeblendet. Auftritt Monsieur Chaban-Delmas: "Das ist die einzige Frage, die sich stellt." Dunkel, Ende. Da, endlich, konnte auch der Moderator lachen. Er nahm die Katastrophe von ihrer besten Seite: als Komödie, als Klamotte.

Er muß etwas geahnt haben, der Horst Schättle, als er uns, gleich nach der Tagesschau, zur ersten Sondersendung des ZDF über die französischen Wahlen aus dem ZDF-Sonderstudio im Eiffelturm begrüßte. Wieviele Wahlabende schon haben wir mit Schättle verbracht, und jedesmal ist er uns ein strahlender Führer und Begleiter gewesen. Warum bloß sieht er heute abend so verspannt aus (so vergrippt?), schaut ständig in die falsche Kamera? "Wir müßten hier oben eigentlich den Überblick haben", sagt er, und das wird nicht die letzte gelungene Ironie des-Abends bleiben.

Rastlos präsentiert Schättle Hochrechnungen, Graphiken, Tabellen – die meisten mehrmals, was er auch merkt. "Eine Graphik, die wir schon einmal gesehen haben, die ich nicht mehr interpretieren muß. Also, das klappt irgendwie nicht."

Kollege Udo Philipp sammelt unterdessen Stimmen und Stimmungen auf den Champs-Elysees, und das klappt irgendwie auch nicht: Französisches Stimmengewirr, deutsche Synchronisation, Straßenlärm und Straßenmusik verschwimmen zu einer rätselhaften Kakophonie; plötzlich rast der Film, pfeift der Ton, das Stimmungsbild ist zu Ende.

Kollege Rudolf Radke interviewt im Studio Studenten der Politik, junge Franzosen und Deutsche. Er interviewt, aber er hört erkennbar überhaupt nicht zu, sagt zerstreut "aha","mhm" und "vielen Dank erstmal". Im Hintergrund hört man Schättle verzweiflungsvoll flüstern: "Wie geht es denn weiter?"

Irgendwann dämmert es Schättle, daß es so jedenfalls nicht weitergehen darf. Also setzt er sein schönstes Reiseleiterlächeln auf und sagt: "Lassen Sie uns einen kleinen Blick auf das nächtliche Paris werfen!" Folgt ein fades Tourismus-Filmchen, eine Minute lang, das nicht einmal einen Reisebüro-Lehrling amüsiert haben dürfte.