Die vielfach gehegten Erwartungen, der deutsche Aktienmarkt würde Wall Street auf einen neuen Kursgipfel folgen, gingen bisher nicht in Erfüllung. Dicht unter einem neuen Gipfel ging der deutschen Börse die Luft aus. Immerhin hat aber der kräftige Wiederanstieg mit der Meinung aufgeräumt, die Rückschläge im Februar hätten die Wende eingeleitet.

Allerdings müssen sich die deutschen Anleger damit abfinden, daß Kaufaufträge aus dem Ausland spärlicher als bisher eintreffen werden. Für internationale Investoren gibt es jetzt mehrere Alternativen. Für sie ist der deutsche Markt keine Einbahnstraße mehr, wie gelegentliche Verkäufe deutlich machen.

Das trifft besonders für Angehörige der arabischen Ölförderländer zu, die nach Beobachtungen der Banken dazu übergegangen sind, sich Liquidität über Wertpapierverkäufe zu beschaffen. Möglicherweise ist das ein Grund für die permanente Schwäche der Siemens-Aktien. Aber auch Daimler-Aktien sollen „zurückfließen“. Wenn sich deren Kurs jedoch besser behaupten kann, liegt dies an der Phantasie, die sich um die Frage rankt, auf welche Weise die Aktionäre am 100jährigen Daimler-Jubiläum teilhaben werden.

Daß mit der Zinssenkung wieder Bankaktien nach vorn rücken würden, war voraussehbar. Die Abschlüsse der großen Banken für 1985 scheinen noch manche Überraschung zu bieten. In dieser Beziehung scheinen die Börsianer besonders der Dresdner Bank einiges zuzutrauen. Die beiden bayerischen Institute haben ihre Ausschüttungen einheitlich auf 12,50 Mark festgesetzt und damit einen Satz vorgelegt, der möglicherweise nur noch durch die Deutsche Bank übersprungen werden wird.

Günstig stehen die Signale für die deutschen Maschinenbauer. Steigende Auftragsbestände bei hoher Kapazitätsauslastung lassen auch für 1986 gute Ergebnisse erwarten. Wenn sich das in ihren Kursen nur wenig niederschlägt, liegt dies daran, daß sie schon jetzt vergleichweise „gut“ bewertet werden. K. W.