Von Hans Joachim Kreutzer

Zwei Verlage beginnen auf einen Schlag neue Goethe-Ausgaben, beide unter dem Anspruch, entweder nach Umfang oder nach Eigenart alle vorhandenen zu übertreffen.

Verfügt der Buchmarkt in der Bundesrepublik über unerschöpfliche Ressourcen? Das Gegenteil ist der Fall. Hier findet kein sportiver Wettbewerb statt: Wer bietet den besseren Goethe? In Wahrheit werden beide Verlage von langfristigen Planungen her in dieses Kräftemessen getrieben, dessen Nutzen für das Publikum noch keineswegs erwiesen ist.

Das Haus Hanser in München hat seit den ersten Nachkriegsjahren besondere Maßstäbe gesetzt mit betont leserfreundlichen Klassiker-Ausgaben, die zugleich mancherlei wissenschaftliche Ansprüche erfüllen. Wenn das Programm nicht Fragment bleiben sollte, dann mußte irgendwann darin auch ein Goethe erscheinen.

Der Insel Verlag, der seit Anton Kippenbergs Zeiten eine dominierende Position auf dem Gebiet der schönen Leseausgaben inne hat, macht sich anheischig, in einer wahren Schiffsladung neuer Ausgaben die Hinterlassenschaft erstrangiger deutscher Schriftsteller, weit über die Dichter hinausgreifend, zu bergen. Er hat für diesen Zweck ein eigenes Unternehmen gegründet, den „Deutschen Klassiker Verlag“ (DKV). Dieser kann natürlich nicht ausgerechnet Goethe aus seinem Programm aussparen. Somit nimmt ein verlegerisches Elefantenrennen seinen Anfang.

Nun aber denke man sich den Buchhändler mit den ersten beiden, inhaltlich sehr ähnlichen Bänden: