Im Mittelpunkt stehen wir oft. Sobald unser auffälliger Übertragungswagen anrollt – zum Sportplatz, ins Dorfzentrum, in die City bildet sich um uns eine Traube von Jugendlichen. Manche meiner Kollegen nervt das, weil wir oft unter Zeitdruck stehen und gleich auf Sendung gehen müssen. Die ziehen dann die Gardinen im Wagen vor. Mir geht es anders. Ich mag es, wenn ich Kindern was Technisches erklären kann.

Als ich 12 Jahre alt war, habe ich beobachtet, wie ein Gottesdienst fürs Radio übertragen wurde. Wie die Leute da vorm Glockenturm ein Mikrophon installierten, überhaupt, das Basteln und Kabeilegen, das faszinierte mich. So bin ich denn Toningenieur geworden, viel auf Achse, zeichne Podiumsdiskussionen auf oder Parteitage, hocke mit dem Reporter im Wagen und hole Rede-Ausschnitte aus der Band-Aufnahme, bin bei Pressekonferenzen dabei, Interviews, Straßenumfragen – ständig etwas anderes.

Meine Sache ist es, daß alles technisch klappt und gut überkommt. Das machen sich viele Leute kaum klar, wenn sie ihren Fernseher oder ihr Radio einschalten. Die denken am ehesten an die Akteure, wohl auch den Reporter, manchmal auch noch an die Kameraleute – fast nie aber an den Ton-Mann.

Das ist schon eine merkwürdige Existenz im Hintergrund. Da sitze oder stehe ich bei Interview-Aufnahmen zwei, drei Meter entfernt, scheinbar ganz auf mein Gerät fixiert, die Kopfhörer auf, und pendle die Lautstärken aus. Die Agierenden – der Reporter und sein Gesprächspartner – nehmen mich gar nicht richtig als Menschen wahr, so kommt es mir vor. Ich bin dann keine mithörende Person, sondern gewissermaßen der verlängerte Arm der Maschine, ein Neutrum, Bestandteil des Inventars. Das war in meinen ersten Berufsjahren ein seltsames Gefühl, es hat mich auch schon gekränkt. Zumindest habe ich mich daran erst gewöhnen müssen.

Inzwischen nutze ich diese Rolle für meine eigenen, ganz persönlichen Studien. Da die Politiker mich kaum als Lauscher, als Mitdenker registrieren, erfahre ich manches Vertrauliche, viele Neuigkeiten, die eigentlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Es wird geredet, als ob ich gar nicht dabei wäre.

So erfahre ich sogar mehr als die Reporter, mit denen ich zusammenarbeite. Die stecken ja in der rechten oder aber in der linken Schublade. Entsprechend werden sie von ihren Interview-Partnern behandelt. Gehen sie ins „gegnerische“ Lager, hören sie sehr viel weniger als bei den politischen Freunden. Ich aber kriege es mal so, mal so mit. Vor allem bei den Gesprächen vorweg und hinterher, wenn die Geräte abgestellt sind. Ich bin eben nur wie ein Gegenstand, die Person, die an dem mitgebrachten Mikrophon oder am Tonbandgerät zufällig mit dranhängt.

Nur bei den Grünen erlebe ich es anders. Die stufen uns Techniker unter ihresgleichen ein und behandeln uns ganz kumpelhaft.