„Operation Dead End“ von Niki Müllerschön. Ein wissenschaftliches Experiment: Wie verhält sich ein ganz normaler Mensch, wenn die fortschreitende Zerstörung unserer Umwelt seine Lebensbedingungen drastisch verändert; wenn die Luft verseucht ist, die Umgebung nurmehr aus schwarzem Geröll und Asche besteht? Eine Vision noch. In Niki Müllerschöns „Operation Dead End“ wird dieser Ausnahmezustand bereits geprobt. Daß dabei kein steriler, langweiliger Film herausgekommen ist, liegt gewiß daran, daß der Regisseur den Menschen nicht mit einer Maschine verwechselt. Menschen lassen sich nicht, wie von den Wissenschaftlern in seinem Film beabsichtigt, programmieren. Die drei Versuchspersonen (zwei Männer und eine Frau), in einen weiß gestrichenen Bunker auf felsiger Insel eingesperrt, sind extremer Kälte ausgesetzt, werden ständig von Videokameras und Mikrophonen überwacht. Jede Eigeninitiative ist ihnen genommen. Zynische Wissenschaftler, denen Menschenleben nichts gelten, wollen lethargische Wesen heranzüchten, die willenlos allen Anweisungen folgen. Was tatsächlich in dem Bunker geschieht, sind emotionale und handgreifliche Ausbrüche der Testpersonen, die die drei völlig unterschiedlichen Charaktere in kaum mehr erträgliche Situationen bringen. Sie schaffen sich, wie einst Sartres Protagonisten in „Bei geschlossenen Türen“, ihre Hölle selber. Als ihre Überlebensbedingungen jedoch noch verschärft werden, verkehrt sich die Lage. Müllerschöns Film ist voller überraschender Wendungen, spannend, packend. Ein Psychothriller besonderer Art. Anne Frederiksen

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„Auf der Jagd nach dem Juwel vom Nil“ von Lewis Teague: das Kino der achtziger Jahre als Dorado für Schatzsucher und Glücksritter. Schon Steven Spielberg, der vor einigen Jahren das Abenteuergenre wiederbelebte, hatte dabei keineswegs seriöse Absichten. Jetzt aber kommen die Parodien, und die Parodien der Parodien. Besonders lustig finden dies nur die Produzenten und Verleiher. Denn das Genre garantiert abenteuerliche Gewinne. Michael Douglas, Produzent und Hauptdarsteller in Personalunion, hat seinen Schatz schon gefunden: die schöne Kathleen Turner; Kinogänger in aller Welt himmeln sie an, ihre Gagen sind exotisch. Im Film sagt Douglas „Schätzchen“ zu ihr: eine Beleidigung. Immerhin mimt sie eine weltberühmte Schriftstellerin, er nur einen zweitklassigen Haudegen. Der Kinoheld ist ein Opfer der Emanzipation geworden. Schon wirft sich die Dichterin einem machthungrigen Scheich in die Arme, da besinnt sich der Abenteurer endlich auf die alten Tugenden. Zusammen mit der örtlichen Befreiungsbewegung haut er den halben Wüstenstaat kurz und klein. Die Emanze ist beeindruckt, der Zuschauer eher enttäuscht. Denn Teagues Ambitionen, Spielbergs Tempo einzuholen, scheitern am kurzen Atem von Drehbuch und Inszenierung. Zur Identifikation lädt nur die Schriftstellerin ein: Die wahren Abenteuer sind im Kopf. Claudius Seidl