Princeton

Der Ort hieß Maria Himmelfahrt. Klaus Peter Heiss, gebürtiger Österreicher und in den Vereinigten Staaten zum Weltraumexperten arriviert, hielt einen Vortrag über das amerikanische Raumfahrtprogramm. Ein Zuschauer erkundigte sich nach dem Sicherheitsrisiko des Space Shuttle. Heiss dachte kurz nach: Das zuverlässigste Feststoffraketensystem, die Titan, hat eine Erfolgsrate von 98 Prozent, die Weltraumfähre wird von zwei Raketen hochgetragen. Also: „Mathematisch geht ein Flug von 25 schief.“

Als der promovierte Mathematiker und Ökonom vergangene Woche an seiner Aussage vor dem Weltraum-Ausschuß des amerikanischen Kongresses arbeitete, fiel ihm diese Geschichte wieder ein. Challenger-Mission 51-L war der 25. Start des Shuttle-Programms.

„Die Nasa hat es immer wissen müssen, ihre Direktoren haben es immer wieder zu hören gekriegt, aber sie schlugen alle Warnungen in den Wind“, sagt Heiss. Als Ökonom der Princeton-Universität hatte er bereits zu Beginn der siebziger Jahre im Auftrag der Nasa an einer wirtschaftlichtechnischen Studie über das Shuttle-Programm gearbeitet.

Aus Kostenersparnisgründen (500 Millionen Dollar) entschieden sich die Planer für Feststoffraketen anstelle von Flüssigtreibstoff-Boostern. Ein wesentlicher Teil des Weltraumtransport-Systems, das unbemannte Space Tag, ein kleines Raumschiff, das aus der Ladefläche der Raumfähre in die Tiefe des Alls starten kann und wieder zum Mutterschiff zurückkehrt – wurde nie gebaut. Überdies wurden alle anderen Einweg-Raketensysteme ausgemustert. Schließlich wurde die Shuttle-Produktion nach vier Raumschiffen eingestellt.

Als Heiss 1979 versuchte, mit einem privaten Firmenkonsortium eine fünfte Raumfähre in Auftrag zu geben (die Prudential Insurance Company hatte bereits die Finanzierung von einer Milliarde Dollar zugesagt) und der Nasa diese im Austausch gegen kommerzielle Nutzungsrechte an der Shuttle-Flotte zur Verfügung zu stellen, ließ die Raumfahrtbehörde den Handel platzen.

„Die Nasa trifft sture, bürokratische Entscheidungen, die nur in ihrem Interesse und nie im internationalen Interesse liegen“, meint Heiss. „Sie hätte sich nie darauf einlassen dürfen, daß die Shuttle-Produktion eingestellt wird. Statt dessen hätte sie das Shuttle-Programm einstellen müssen. Ohne laufende Produktion kann schnell veraltende Technik nicht kontinuierlich auf dem neuesten Stand gehalten werden.