Die Pioniere im Handel mit der DDR betrieben ein mühsames Geschäft

Von Helgard Köhne

Leipziger Frühjahrsmesse 1986: Selbstverständlich stellen bundesdeutsche Firmen dort ihre Produkte und ihre Leistungsfähigkeit vor; natürlich reisen bundesdeutsche Unternehmer an diesen wichtigen Handelsplatz im Osten; ohne Frage machen sich Bundes- und Länderminister auf den Weg; ganz gewiß wird über die Verbesserung der Zusammenarbeit beider Staaten gesprochen; sicherlich gehen auch von dieser Leipziger Messe wieder wichtige Impulse für die Ost-West-Beziehungen aus. Das war schließlich schon immer so.

Eben nicht. Die Zeiten, in denen nichts selbstverständlich und alles schwierig war, in denen bundesdeutsche Unternehmer, die mit Betrieben aus der DDR handelten, mißtrauisch beargwöhnt wurden, sind noch gar nicht so lange her. Davon können vor allem die Mitglieder des in der Öffentlichkeit weithin unbekannten Handelsvereins Bundesrepublik Deutschland – Deutsche Demokratische Republik ein leidvolles Lied singen. Sie wissen noch ganz genau, wie der heute so selbstverständliche deutsch-deutsche Handel begann. Aber sie erinnern sich nur ungern. „Es läuft doch heute alles so gut“, meint Bernhard Mönkebüscher aus Bremen, Kaufmann, Mitbegründer und Vorstandsmitglied des Handelsvereins. Er war 1950 leitender Mitarbeiter der Im- und Exportgesellschaft Frantz Kragh mbH, die als eine der ersten westdeutschen Firmen Kontakt mit den Außenhandelsorganen der DDR aufnahm. Vier Jahre nach dem Krieg lieferte Kragh zum erstenmal italienische Kentucky-Tabake in „den Osten“. Im Gegenzug nahm das Bremer Handelshaus Zucker und Chemikalien ab. Das Kompensationsgeschäft weitete sich rasch aus. Die Bremer lieferten Tabake und bezogen Braumalz, Schreibmaschinen, Strümpfe und synthetische Edelsteine; Kunstblumen und Zement, „Waren aller Art, von Stecknadeln bis zu Elefanten“, erinnert sich Mönkebüscher.

Da die norddeutsche Fischindustrie ebenfalls gute Geschäfte mit der damals noch SBZ genannten DDR machte, nahm der Kreis der innerdeutsch handelnden Firmen beständig zu – vor allem in den Städten Hamburg und Bremen. 1954 gründeten die westdeutschen Unternehmer gemeinsam mit den ostdeutschen Außenhandelsbetrieben den „Ausschuß zur Förderung des Deutschen Handels“. Sie besetzten ihn paritätisch und beriefen den Bremer Kaufmann Carl Katz und den Regierungsbeauftragten für den innerdeutschen Handel, Erich Freund aus Ost-Berlin, zu gleichberechtigten Vorsitzenden. Unter den argwöhnischen Augen der Bundesbehörden schlossen die Mitglieder des „gesamtdeutschen Gremiums“ weiter Geschäfte ab – allerdings unter zunehmend erschwerten Bedingungen im Westen: Nicht selten wurde bundesdeutschen Unternehmen die Genehmigung für den Interzonenhandel verwehrt, „weil sie sich vom Osten begünstigen ließen“. Der Verfassungsschutz interessierte sich für die Ausschuß-Mitglieder, die Zollfahnder kamen „mit irgendwelchen Vorwänden“ in die Kontore.

Eklat in Bremen

In Hamburg sollte einem Frachter, der Güter für die DDR geladen hatte, die Ausreise verweigert werden – was der damalige Wirtschafts- und Verkehrssenator gegen die Bundesanordnungen zu regeln wußte.