ZEIT: Arbeitsminister Blüm hat erklärt, er wolle keine gesetzlichen Schritte unternehmen, um die Ausgaben der Krankenkassen zu bremsen. Ist die Kostendämpfung im Gesundheitswesen nicht mehr dringend?

Heitzer: Doch. Es kommen große Zukunftsprobleme auf uns zu: Es gibt immer weniger junge Leute und immer mehr ältere, die aufwendige Betreuung brauchen. Um das Geld dafür aufzubringen, brauchen wir Kostendämpfung – und neue Ideen. Eine der wichtigsten Fragen ist im Augenblick: Wer finanziert die vorgesehene Pflegeversicherung?

ZEIT: Da tauchen neue Kostenprobleme auf, ehe die alten gelöst sind. Arzthonorare, Ausgaben für Zahnersatz und Arzneien, Krankenhauskosten – sind das keine Themen mehr?

Heitzer: Schon. Wir haben da allenfalls Teilerfolge erzielt. Für die Arzthonorare haben wir die Vereinbarung, daß die Ausgaben der Kassen für ambulante Behandlung nicht stärker als unsere Beitragseinnahmen steigen. Wir haben bei den Zahnärzten in der Konzertierten Aktion für alle Kassenarten eine Bundesempfehlung zustande gebracht, die die Zuwachsrate in diesem Ausgabenbereich stark begrenzt und die verhindert, daß die Zahnärzte das mit Mehrleistungen unterlaufen.

ZEIT: Immerhin. Auch ohne neue Kostendämpfungsgesetze können Ärzte und Kassen einander offenbar näherkommen. Sie, Herr Heitzer, haben diese Annäherung neulich gestört. Sie haben Sonderstaatsanwälte gefordert, die betrügerischen Krankenscheinabrechnungen von Ärzten und Zahnärzten ein Ende machen sollen. Bringt das was?

Heitzer: Über die Größenordnung kann man nur spekulieren. Darum geht es mir auch nicht. Man muß vielmehr die Versicherten schützen, aber auch die sich korrekt verhaltenden Ärzte, Zahnärzte und Apotheker. Ich will keine Sonderbehandlung der Ärzte. Aber die Staatsanwälte haben in der Regel nicht das Fachwissen, um solche Mißbräuche im Sozialsystem zu verfolgen. Das möchte ich geändert haben.

ZEIT: Auf die Initiative der Kassen setzt Arbeitsminister Blüm auch bei den beiden größten Kostenblöcken: den Ausgaben für Medikamente und Krankenhäuser. Da aber lassen Ergebnisse auf sich warten.