Endlich in deutscher Sprache: die Gedichte des türkischen Lyrikers Orhan Veli Kanik

Von Benedikt Erenz

Ah, die Bibel. Immer wieder die Bibel. Ich liege in meinem Sessel und lese die Bibel. Das Buch des Predigers, drittes Kapitel. Alles hat seine Stunde, und es gibt eine Zeit für jegliche Sache unter der Sonne. Eine Zeit für die Geburt und eine Zeit für das Sterben, eine Zeit zu töten und eine Zeit zu heilen, eine Zeit zu weinen und eine Zeit zu lachen, eine Zeit zu lieben und eine Zeit zu hassen. "Was ist, ist längst schon gewesen, was sein wird, längst war es da." Unter meinen Füßen knistern die alten Zeitungen, draußen röcheln ein paar Autos vorbei. Eigenartig. Seltsam. Ein rätselhaftes Buch.

Kennen Sie eigentlich die Gedichte von Orhan Veli Kanik? Eine rhetorische Frage. Auch ich kannte sie bis vor kurzem nicht, obwohl es einmal ein Buch mit deutschen Ubersetzungen seiner Gedichte gab – natürlich lange schon vergriffen und verschollen. Orhan Veli ist ein türkischer Dichter, geboren 1914 in Istanbul und 1950 dort auch gestorben. Er studierte ein bißchen Literatur, ging nach Ankara und wurde Beamter, zuerst im Postministerium, dann, so erfahre ich aus dem Klappentext, im Übersetzungsbüro des Erziehungsministeriums und schrieb Zeilen wie diese:

Monteur Sabri

Mit dem Monteur Sabri

Reden wir immer nachts