In der Werftindustrie praktiziert Stockholms Regierung eine neue Industriepolitik

Von Wolfgang Zank

Zwei gigantische Querbalken auf jeweils zweimal zwei Stelzen prägen die Silhouette der südschwedischen Hafenstadt Malmö. Es sind die Kräne der Schiffswerft Kockums. Der größere von beiden ist 140 Meter hoch, hat einen Querarm von 185 Metern Länge, wiegt 7200 Tonnen und kann Lasten von 1600 Tonnen heben. Er ist der stärkste Werftkran der Welt.

Scheint der Kran die Stärke des Unternehmens zu symbolisieren, so dokumentiert ein fast fertiger Luxusliner am Ausrüstungskai der Werft ihre Anpassungsfähigkeit und Effizienz. Das weiße Traumschiff, 48 000 Bruttoregistertonnen groß, mit augenfälligen, tragflächenähnlichen Ausbauten am blau-weiß-roten Schornstein, wurde zum größten Teil aus 23 vorgefertigten Sektionen zusammengefügt; eine einzige Hotelsektion mit 175 schon vorher weitgehend ausgestatteten Kabinen wog 400 Tonnen. Dieses Verfahren ist bislang einzigartig und trug entscheidend dazu bei, die Kosten niedrig zu halten. Im Mai oder Juni dieses Jahres kann das Kreuzfahrtschiff ausgeliefert werden. Sein Name ist "Jubilee".

Verzerrter Wettbewerb

Zum Jubilieren ist den Werftarbeitern aber nicht zumute: 1988 wird Kockums geschlossen. Die Regierung in Stockholm hat es Mitte Februar definitiv abgelehnt, das Überleben der Werft mit Subventionen zu sichern. Trotz ihrer Effizienz hat die Kockums-Werft damit keine Chance mehr, denn der Wettbewerb ist durch die fast überall gängige Praxis der staatlichen Subventionen völlig verzerrt.

Mit der Schließung von Kockums wird sich Schweden aus dem Kreis der Schiffbaunationen verabschieden. Es gibt dann zwar noch einige kleinere Betriebe, außerdem fertigen die Arendal und die Cityvarvet, beide in Göteborg, noch Ölbohrinseln und leisten Reparaturarbeiten, aber größere Neubauten laufen dann nicht mehr vom Stapel.