Von Michael Schmitz

Frage: Kann ein sterilisierter Mann Vater werden? Und kann ein Mann, der ein Kind gezeugt hat, kein Vater sein? – Antwort: Im Prinzip, ja!

Der Dialog stammt nicht aus Eriwan. Verfaßt ist er nach bundesdeutschem Recht und beschreibt einen Fall, den das Düsseldorfer Amtsgericht gegenwärtig verhandelt.

Für die Protagonisten, zwei Männer und eine Frau, hat die Geschichte "ganz lustig" angefangen. Wenige Stunden nach der Geburt seiner Tochter Aileen Maude eilte Gernot Steinweg zum Standesamt, um dort die Geburtsurkunde ausstellen zu lassen. Doch die Beamtin erklärte dem verblüfften Mann, sie könne ihn als Vater nicht anerkennen. Bei der Durchsicht der vorgelegten Dokumente hatte sie entdeckt, daß Steinwegs Freundin erst seit fünf Monaten geschieden war. Unter solchen Umständen, beharrte die Amtsfrau, könne sie nur den ehemaligen Gatten als Vater akzeptieren.

Steinweg hielt die Auskunft zunächst für einen schlechten Scherz, aber sie entspricht dem Gesetz. Bekommt eine Frau vor Ablauf von 302 Tagen nach der Scheidung ein Kind, gilt in jedem Fall der frühere Ehemann als Vater. Das regeln die Paragraphen 1591 ff. des Bürgerlichen Gesetzbuches.

Die Standesbeamtin schickte Gernot Steinweg zusammen mit seiner Freundin Re Karen zum Vormundschaftsgericht, um dort die Vaterschaft klären zu lassen. Die beiden ärgerten sich über den Umstand, fanden aber das Verfahren "eher komisch". "Wir haben ja gar nicht richtig durchgeblickt und voraussehen können, was auf uns zukommt." Das legte ihnen erst der Richter dar.

Gernot Steinweg hat demnach überhaupt kein Recht, die Anerkennung seiner Vaterschaft einzuklagen. Das ist so, weil die Institution Ehe den familienrechtlichen Status bestimmt. Auch die Mutter hat in dem Verfahren nichts zu melden, da im Scheidungsurteil hätte stehen müssen, daß sie für alle Kinder, die in der 302-Tage-Frist geboren werden, allein erziehungsberechtigt ist. Bei der Scheidung hatte Re Karen niemand darauf hingewiesen. Als sie nun die Folgen erfuhr, war sie "erstmals sauer" und fühlte sich "als Frau entmündigt".