Der Deutsche Walther Stützle wird neuer Direktor des international renommierten Stockholmer Instituts für Friedensforschung SIPRI.

Stützle war bisher vor allem ein Praktiker der Sicherheitspolitik. 1967, gerade 26 Jahre alt, kam der gelernte Politologe in den Planungsstab des Bundesverteidigungsministeriums. Er wurde persönlicher Referent des Ministers Georg Leber und 1976 Leiter des Planungsstabes. Allerdings war Stützle stets weniger an den militärischen Einzelheiten als an den großen Konzepten interessiert, auch wenn er sich den Ruf eines vorzüglichen Organisators erwarb.

Mit der Wende im Herbst 1982 mußte der Sozialdemokrat Stützle seinen Schreibtisch auf der Bonner Hardthöhe räumen. Aber anstatt nun, wie viele andere in ähnlicher Lage, als Parteiberater an der Bonner Peripherie seine Tage zu verbringen, erlernte Stützle ein neues Metier: Er wurde politischer Redakteur der Stuttgarter Zeitung und trug erheblich dazu bei, daß dieses Blatt in Fragen der Sicherheitspolitik Kontur gewann. Jetzt wird er weniger durch eigene Artikel als durch die Veröffentlichungen und Stellungnahmen des Stockholmer Instituts wirken, allen voran das SIPRI-Jahrbuch, das für die Fachwelt lange Zeit ein unerläßliches Vademecum war. In den jüngsten Jahren lief das Institut allerdings gelegentlich Gefahr, weniger durch solide Forschung als durch rasche Meinung aufzufallen. Stützle will die Veröffentlichungen wieder stärker in den Dienst unabhängiger, recherchierter Information stellen.

Das Institut in Stockholm zählt 60 Mitarbeiter, die in einem Palais außerhalb der schwedischen Hauptstadt arbeiten. Im Kuratorium von SIPRI sitzen Persönlichkeiten aus sieben europäischen Ländern, auch aus der DDR. Sie haben Walther Stützle, der im Oktober das Amt antreten wird, einstimmig zum neuen Direktor berufen.

Christoph Bertram