Hildesheim

Die Städter waren besorgt: „Läßt der Bischof etwa den tausendjährigen Rosenstock erfrieren?“ fragten sie, als sie nach der kältesten Nacht der letzten zwanzig Jahre feststellten, daß dem weltberühmten Symbol ihrer Stadt nicht die Spur jener Pflege gewährt wird, die den Rosen in Privatgärten zukommt.

Kein Tannengrün!

Keine wärmenden Erdhäufchen!

Der „älteste Einwohner Hildesheims“ steht barfüßig auf dem Domfriedhof, die kahlen Zweige hängen traurig und vertrocknet an der Apsis des Domes. Kümmert sich denn niemand darum?

Der Sprecher des Bischofs hat jetzt bekanntgegeben Kein geringerer als der erst vor kurzem mit einer europäischen Ehrenmedaille ausgezeichnete Hildesheimer Garten- und Landschaftsarchitekt Hans-Friedrich Werkmeister kümmert sich um die ehrwürdige Pflanze. Und der Rosenstock, hat der Gärtner erklärt, überstehe auch diesen Winter allein – mit Gottes Hilfe. Denn der Rosenstock ist eine Wildrose.

Im Frühjahr wird der 75jährige Werkmeister einmal in der Woche nach der mindestens 750 Jahre alten Pflanze sehen. Gedüngt wird rein biologisch und so sparsam wie möglich: „Der Rosenstock soll bescheiden bleiben und mit dem auskommen, was die Natur ihm freiwillig gibt.“

Ganz ohne Aufsicht wird der Rosenstock also nicht gelassen, und das ist nur gut so. Denn die Hildesheimer wissen, daß es – der Sage zufolge – der Stadt und ihren Bürgern nur so lange Wohlergehen wird, wie der Rosenstock grünt und blüht. Eyke Gerster