Von Egbert Baqué

Zur Zeit der Kulturrevolution, als die meisten seiner Schriftstellerkollegen Schreibverbot hatten, als viele seiner Genossen, die – wie er – jahrzehntelang für ein befreites China gekämpft hatten, Latrinen putzen mußten, gequält, erniedrigt oder gar in den Tod getrieben wurden – damals wurde Guo Kaizhen, bekannt unter dem Pseudonym Guo Moruo, in das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas gewählt.

Schon Ende der fünfziger Jahre, als die Partei nach der gescheiterten „Hundert-Blumen-Bewegung“ die liberale Phase des Kulturlebens abrupt beendete und gegen sogenannte „Rechtsabweichler“ unter den Schriftstellern vorging, gehörte Guo Moruo zu denjenigen, die „Richtlinien“ mitbestimmten und dekretierten, wie und was Literatur zu beschreiben habe.

Fast ein Jahrzehnt später, im April 1966, bevor die Roten Garden zu ihrem Bildersturm aufbrachen, erläuterte er in einer Rede, was mit seinem eigenen Werk, immerhin der Arbeit eines halben Jahrhunderts, geschehen sollte:

„Was die Zahl der Schriftzeichen betrifft, die ich geschrieben habe, so fürchte ich, es sind einige Millionen. Aber nach heutigen Maßstäben müßte man, genaugenommen, all das, was ich früher verfaßt habe, den Flammen überantworten. Es ist nichts wert.“

Die Maßstäbe, so führte er aus, seien die Gedanken Mao Zedongs.

Ein Jahr später benannte er ein Vorbild: Jiang Qing, der Gattin Maos, huldigte er in einem Gedicht. Nachdem Jiang Qing mit ihren Kumpanen – die „Viererbande“ – im Herbst 1976 verhaftet worden war, verewigte Guo Moruo sie wiederum in Versen, nur – diesmal war sie der Dämon, der damalige Parteivorsitzende Hua Guofeng der Held.