Kurt Sieveking war den Hamburgern vier Jahre lang ein guter Erster Bürgermeister gewesen: selbstsicher und zugleich zurückhaltend, bescheiden, kompromißbereit und prinzipientreu. Intra muros auf den Wiederaufbau einer gesunden Struktur seiner Stadt bedacht, faßte er die Welt außerhalb der deutschen Grenzen fest in seinen weiten Blick.

Lange vor dem Beginn der eigentlichen Ostpolitik unter Willy Brandt hat Kurt Sieveking, gemeinsam mit seinem Senatskollegen Ernst Plate, die „Politik der Elbe“ konzipiert und kraftvoll vertreten. Der Elbe-Strom war ihm Bindeglied zu Mittel- und Osteuropa; die Schiffahrt auf dem künstlich zur Grenze gemachten Strom wiederherzustellen, war ihm zugleich Symbol der Aufgabe, Gesamt-Europa wiederherzustellen. Deshalb gab es auf seine Initiative schon in den fünfziger Jahren hamburgische Delegationen nach Leipzig, Prag, Budapest und Leningrad.

Sieveking war 1953 auf Max Brauer gefolgt, Brauer folgte 1957 erneut auf Sieveking. Der eine gehörte zur CDU, der andere zur SPD – aber sie schätzten einander sehr. Beide blickten nicht nur nach Westen, sondern auch nach Osten. Sieveking hat schon 1957 eine gemeinsame Außenpolitik der Bonner Parteien verlangt. Weitblickend war er seiner Zeit um ein Vierteljahrhundert voraus gewesen. Jetzt ist er im Alter von 89 Jahren gestorben.

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