Von Wolfgang Hoffmann und Klaus-Peter Schmid

ZEIT: Herr Präsident, Sie haben ein Buch herausgebracht mit dem Titel: „Steuerreform einfach und gerecht“ *). Das kann doch nur heißen, daß nach Ihrer Uberzeugung das heutige Steuersystem ungerecht ist.

Gaddum: Ja, wobei sich meine Meinung auf die Einkommensteuer konzentriert.

ZEIT: Können Sie das belegen?

Gaddum: Mein Hauptvorwurf ist, daß die Einkommensteuer, die ursprünglich die Besteuerung nach der Leistungsfähigkeit gewährleisten sollte, durch viele andere Gesichtspunkte immer mehr überlagert wurde. Die Zielsetzung ist eben heute nicht nur die Besteuerung nach der Leistungsfähigkeit in dem Sinne der Mittelbeschaffung für den Staat, sondern es gibt daneben Aufgaben, die mehr zu tun haben mit der Wohnungsbauförderung, mit Umweltschutz und der Förderung von vielen unterschiedlichen Zielsetzungen.

ZEIT: Mit welchen Folgen?

Gaddum: Weil durch solche Vergünstigungen das gesamte Aufkommen beeinträchtigt wird, hilft sich der Staat immer wieder dadurch, daß er den Tarif entsprechend anspannt. Und die entsprechend hohe Tarifanspannung kann ich nur dann sozial erträglich machen, wenn ich bestimmte Freibeträge einbaue. Das ist ein Teufelskreis. Aus dieser Entwicklung will ich herauskommen.