Werbung mit Schwung

Das vom Tyrannen befreite Haiti zeigt Flagge. Die blau-rote Staatsfahne prangt an vielen Wänden von Port-au-Prince, auf große Plakate gedruckt. Daneben findet sich der Text der Nationalhymne („Heil dir, geliebte Flagge, blau wie der Himmel über dem Vaterland, rot wie das reine Blut unserer Ahnen“) und in großen Lettern wird der 7. Februar gepriesen, der Tag, an dem Jean-Claude Duvalier stürzte. Neben der Staatsflagge erscheint ein zweites, gleich großes Symbol in Blau und Rot: Das Emblem von Pepsi-Cola. Der Softdrink-Multi kann sich an die patriotische Begeisterung der Haitianer anhängen, ohne seine Farben zu wechseln, und selbst der multinational geklopfte Werbespruch scheint plötzlich politisch zu sein: „Blau und Rot, das ist „la choix de la nouvelle generation d’Haiti.“

Ein neuer Berg Sinai

Auf dem Berg Sinai hat der biblische Moses die Gesetzestafeln mit den Zehn Geboten empfangen – vielleicht aber nicht auf der ägyptischen Sinai-Halbinsel, sondern ein paar Kilometer östlich der heutigen Staatsgrenze in der israelischen Negev-Wüste. Das meint jedenfalls der italienische Archäologe Emmanuel Anati, der auf dem 850 Meter hohen Har Karkom („Safranberg“) im Negev die Reste antiker Kultstätten, eine Steintafel mit zehn deutlich unterschiedenen Feldern und eine dem biblischen Bericht entsprechende „Felskluft“ (2. Mos. 33, 22) entdeckt hat. Beweisen läßt sich freilich nicht, was sich vor über drei Jahrtausenden irgendwo zwischen Nil und Gelobtem Land ereignet hat – und am frommen Glauben der griechisch-orthodoxen Mönche, die auf dem Dschebel Musa („Moses-Berg“) im Süden der Halbinsel Sinai den Ort der biblischen Offenbarung bewachen, wird kein Archäologe rütteln können.

Die Armut wandert

Noch haben wir die Bilder von hungernden afrikanischen Bauern und Nomaden nicht vergessen, da werden uns neue Elendsbilder aus Afrika angekündigt: Die städtische Bevölkerung des Kontinents wird nach Schätzungen der UN-Unterorganisation Habitat in den nächsten fünfzehn Jahren von heute 136 Millionen auf über 360 Millionen Menschen anwachsen. Das werden dann 43 Prozent aller Afrikaner sein; heute sind gut dreißig Prozent der Afrikaner Stadtbewohner, in den dreißiger Jahren waren es sechs Prozent. In den meisten afrikanischen Städten ist die Versorgung der Bevölkerung mit Wasser und Strom, Verkehrsmitteln und Kanalisation ganz unzureichend. Trotzdem ziehen die urbanen Slums Jahr für Jahr mehr Arme aus den Dörfern Afrikas an. Afrikas Armut erhält ein neues Gesicht.

Rüstung und Krise

Günstiger Seiteneffekt der Finanzmisere vieler Staaten der Dritten Welt: Sie kaufen weniger Waffen. Die Rüstungskäufe der Entwicklungsländer, die sich in den sechziger und siebziger Jahren alle zehn Jahre verdoppelten, gehen seit Anfang dieses Jahrzehnts zurück. Weltweit werden derzeit etwa 800 Milliarden Dollar im Jahr für die Rüstung ausgegeben, die Entwicklungsländer zahlen ungefähr ein Fünftel dieser Unsumme. Die Ärmsten der Armen, die 31 am wenigsten entwickelten Länder der Erde, geben Jahr für Jahr zusammen um die 30 Milliarden Dollar für ihre bewaffnete Macht aus. Über den Zusammenhang von Rüstung, Entwicklung und Unterentwicklung wird im Juli eine UN-Konferenz beraten. Das Geld, das diese Tagung kosten wird, fließt wenigstens nicht in Waffenkäufe.