In Bernard Malamuds Erzählung „A German Refugee“ stirbt ein Emigrant in New York. Er stirbt an der Hitze der Stadt, er stirbt an der Sprache, die ihm fremd ist, er stirbt an der Emigration. Der Mann ist Jude, geflohen aus Hitlers Berlin. In New York lernt er Englisch bei einem jüdischen Studenten. Der Nachhilfeunterricht gerät zur Überlebenshilfe. Die mißlingt. Der Emigrant begeht Selbstmord.

Der Student, der diese Geschichte erzählt, könnte Bernard Malamud heißen. Anfang der dreißiger Jahre studierte er in New York. Er war der Sohn der jüdischen Einwanderer Max und Bertha Fidelman Malamud. Der Vater gründete einen Lebensmittelladen. Kaum konnte die Familie davon leben. Später, 1957, als der Schriftsteller Malamud schon einen Namen hatte, wurde diese Erfahrung Hintergrund seines zweiten von insgesamt sieben Romanen, „The Assistant“.

Jüdisches Schicksal ist das Leitmotiv in Malamuds Welt. Malamud war ein Erzähler trauriger Legenden. Die Menschen in ihnen sind arm und schwach, aber, obwohl ihr? Lage hoffnungslos ist, hoffnungsvoll; Siegfried Lenz sagte einmal, an Malamud bewundere er die Darstellung der Größe einer Person durch die Schilderung ihrer Schwächen und Defekte. In der Erzählung „The Jewbird“ flattert eine schäbige Krähe in die Wohnung einer durchschnittlichen amerikanischen Familie. Der Vogel stellt sich mit Namen vor: „Schwanz“. Er bittet um Asyl. Am Ende landet er tot in der Gosse.

Solche manchmal seltsamen Allegorisierungen haben Malamud die Kritik der Kritik eingetragen. Nie erreichte er den Ruhm seiner jüdischen Kollegen Saul Beilow und Philip Roth. Er war vielleicht kein großer Romancier. Aber er übertraf sie in der melancholischen Laterne seiner Erzählungen, die auf kürzestem Raum das menschliche Universum entfalteten. Er übertraf sie mit seiner klaren und schlichten Sprache, die manchmal daran denken ließ, daß Englisch nicht die Sprache seiner Kindheit war, sondern eine mit hoher Bewußtheit angeeignete.

Bernard Malamud ist im Alter von 71 Jahren in New York gestorben. Grn.