Von Michel Chaouli

Hamburg

Vor der idyllischen Kulisse einer Siedlung im Schwarzwaldstil wird in Hamburg-Langenhorn seit zwei Jahren um Mieterrechte gestritten. Der Fall ist exemplarisch. Ein Unternehmer kauft marode Häuser von der Neuen Heimat und vergrault, die alten Bewohner. Er will die Wohnungen aufputzen, um sie zum doppelten Preis zu vermieten. Die Mieter wehren sich.

Ende Dezember 1983 verkaufte die Nordwestdeutsche Siedlungsgesellschaft (NWDS), eine hundertprozentige Tochter der Neuen Heimat, die 188 Wohnungen der Schwarzwaldsiedlung in Hamburg-Langenhorn für rund 5,8 Millionen Mark an die Klaus Hahn KG im niedersächsischen Munster. Sie habe die Mieter im Kaufvertrag "bewußt geschützt", versuchte die Siedlungsgesellschaft Sorgen um Mieterhöhungen zu zerstreuen. Das Hamburger Abendblatt meldete: "Dem neuen Besitzer sind die Hände gebunden."

Die Meldung war falsch. Die meisten Häuser der Schwarzwaldsiedlung wurden von der "Neuen Heimat-Arbeiterfront im Gau Hamburg" in den dreißiger Jahren gebaut, um Uhrmachern und Feinmechanikern aus dem Schwarzwald den Umzug nach Hamburg schmackhaft zu machen. Sie sollten dort für eine Bombenzünderfabrik arbeiten. Nach dem Krieg hatte die Neue Heimat nicht viel getan, um die Häuser in Schuß zu halten. Lange Zeit habe die Stadt eine Straße quer durch die Siedlung geplant, sagen die ehemaligen Eigentümer, und da habe man nicht für den Abriß investieren wollen.

Klaus Hahns oberste Priorität war die Modernisierung, die immer eine Mieterhöhung nach sich zieht (denn die Kosten dürfen auf die Miete umgelegt werden). Nach seinen Plänen sollte eine 48-Quadratmeter-Wohnung statt 200 Mark in Zukunft 450 Mark kosten. Die meisten Bewohner der Schwarzwaldsiedlung – Ausländer und Alte – können diesen Preis nicht zahlen.

Die neue Ära machte sich zunächst im Ton bemerkbar. Hahn pochte darauf, Flure, Treppenhäuser und Keller "von allen Gegenständen und Hindernissen freizumachen"; mahnte, Autos nicht auf Gehwegen stehenzulassen, und drohte mit deren "kostenpflichtiger Abschleppung". Die Hausordnung wurde bemüht, um den Mietern ihre Gewohnheiten, die sich über Jahrzehnte gebildet hatten, auszutreiben. Hahns Hausmeister verbreitete unterdessen das Gerücht, die Siedlung werde bis auf die Grundmauern abgerissen. Die Zentrale in Munster dementierte. Viele Mieter waren verunsichert.