Von Jes Rau

Die Freiheit über den Wolken im US-Luftverkehr hat nun doch ihre Grenzen: Die Fluggesellschaft People Express schluckte den Konkurrenten Frontier. Northwest hat es auf Republic abgesehen. Eastern soll an Texas Air verkauft werden. Und TWA will Ozark übernehmen. Die Fusionswelle unter den Fluggesellschaften in den Vereinigten Staaten zeigt, daß der Luftkampf über Amerika in eine neue Phase getreten ist. Seit die Airlines bei der Festlegung ihrer Flugrouten und Tarife keinerlei staatlichen Regulierungen mehr unterliegen, befehden sich etablierte Fluglinien und Neulinge mit Niedrigpreisen.

Die Flucht aus dem New Yorker Winter ins sonnige Florida kostet beispielsweise augenblicklich nur 69 Dollar. Ein Flug nach San Francisco ist für 65 Dollar zu haben. Und vom windigen Chicago sind die sonnigen Strände von Hawaii bei einem Flugpreis von nur 168 Dollar für jeden Durchschnittsverdiener erreichbar.

Um in den Genuß solcher Kleintarife zu kommen, braucht man sich nicht mehr den fliegenden Sardinenbüchsen von People Express, dem Pionier unter den Billiganbietern, anzuvertrauen. Denn die etablierten Gesellschaften haben auf die Herausforderung mit Rabatten und Sondertarifen reagiert, die die Reise oft billiger und zumeist wesentlich bequemer machen als die Verfrachtung durch People Express.

Die Herausforderer bekommen die Kampfpreise der etablierten Gesellschaften schon zu spüren: People Express verbuchte Ende vergangenen Jahres den größten Quartalsverlust seiner Firmengeschichte. Wesentlich schwerer war der Aderlaß allerdings bei mittelgroßen etablierten Gesellschaften wie Eastern, PanAm und TWA, deren Wettbewerbsfähigkeit durch hohe Personalkosten beschränkt ist.

Die Giganten der Branche, United Airlines und American Airlines, sind mit dem Preiskrieg noch am besten fertiggeworden. Dank ihrer umfassenden Streckennetze können diese Fluggesellschaften ihre auf den Hauptstrecken eingesetzten Jumbomaschinen mit so vielen Passagieren auslasten, daß sie die durchschnittlichen Kosten pro geflogener Meile erheblich drücken können. Ihre Marktmacht erlaubt es den Branchenriesen auch, in ihrem Domänen hohe Preise zu verlangen. Wenn sich ein Eindringling in ihr Territorium vorwagt, schlagen die beiden Riesen allerdings sofort zurück, indem sie die Preise des Angreifers unterbieten und ihm durch den Einsatz zusätzlicher Maschinen die Kapazitätsauslastung erschweren.

Dieser Wettbewerbsvorteil der Kolosse United und American zwingt die Kleineren zu Allianzen und Fusionen. Seit der Deregulierung des amerikanischen Luftverkehrs ist die Zahl der Gesellschaften, die in ihrem Flugverkehr die Grenzen eines Bundestaates überschreiten, von 34 auf hundert gestiegen. Mit dieser Vermehrung ist nun wohl Schluß: Über Fusionen und Pleiten, die die Zahl selbständiger Fluglinien dezimiert, hat die Konzentration begonnen. Bei dem Tarife-Rutsch ist die Luft für Newcomer so dünn geworden, daß man in Zukunft nur noch mit wenigen Neugründungen rechnen kann.