ZDF, Karfreitag, 28. März, 20.15 Uhr: "Erdsegen". Drehbuch: Felix Mitterer nach dem Roman von Peter Rosegger. Regie: Karin Brandauer.

Der Mann, der nach dem Vorspann aus dem Nebel stapft und mit "Grüß Gott" nach Arbeit sucht, hat Pech, denn der angesprochene Bauer sperrt sich ins Aborthäusl und ruft dem Bittsteller nach, er solle doch zu den Sozis gehen. Einer wie er, weißer Kragen und glatte Hände, kann ja wohl nicht ernsthaft als Bauernknecht arbeiten wollen. Doch genau das hat der Stadtfrack Hans Trautendorffer vor. Der Wirtschaftsredakteur einer Wiener Zeitung hat sich in einer leichtfertigen Wette verpflichtet, dem süßen Großstadtleben auf ein Jahr zu entsagen und sich als Knecht zu verdingen. Die ungewohnte Arbeit läßt sich schwer genug an. "Gott, seid’s ihr stur!" ruft der exilierte Intellektuelle aus, denn natürlich hat er sich das Landleben, von dem er früher in wohlgesetzten Worten zu schwärmen verstand, anders vorgestellt, "weniger feindlich".

Feindlich sind die Menschen, die auch in der Oststeiermark das Gerücht von der neuen Zeit vernommen haben und sich gegen alles Fremde um so heftiger abschließen. Feindlich ist auch die Natur, in der es für die Bauern nichts umsonst gibt. Trautendorffer macht also die übliche unsentimentale Erziehung durch: frühes Aufstehen, Verzicht auf den Luxus der Hygiene, auch die Sauschlachtung mit Blutstropfen im Schnee fehlt nicht.

Trautendorffer lernt trotz aller Widerstände das Land und die "Schollenhocker" allmählich lieben. Die Kollegen aus Wien, die den Zivilisationsflüchtling wie ein Wundertier anstaunen, weist er auf ein Haferfeld hin: "Brot aus meinen Händen"; das sei besser als Artikelschreiben. Gestärkt an Leib und Seele kehrt der Journalist schließlich in die Stadt zurück; das Land hat seinen Zweck erfüllt.

Zwischen Ludwig Anzengruber und Ludwig Ganghofer hat der neue deutsche Film im Verein mit der öko-agraischen Bewegung nur wenig ausgelassen, was nicht "neu verstanden" oder wenigstens "in neuem Lichte gesehen" werden könnte. Nun also wieder Peter Rosegger. Das ZDF brachte bisher schon "Jakob der Letzte", "Der Waldbauernbub", "Die Försterbuben" und die 26teiligen Serie "Waldheimat". Ein Ende ist nicht abzusehen: die Rosegger-Ausgabe letzter Hand umfaßt nicht weniger als vierzig Bände.

Der Drehbuchautor, der Dramatiker Felix Mitterer, hat die geballte Schicksalsdramatik in Roseggers um die Jahrhundertwende entstandenem Briefroman leicht gemildert, aber auch selber gedichtet. Denn der gleiche Mitterer, der noch vor ein paar Jahren in Tirol mit dem blasphemischen Stück "Stigma" schockierte, macht aus Trautendorffer ungeniert einen Jesus in der Wüste. Das paßt zwar auf den Karfreitag, an dem Karin Brandauers Verfilmung gesendet wird, tut Trautendorffers Selbsterfahrungsjahr aber zu viel Ehre an. Sein Opfergang war eine Erholungsreise mit Rückfahrkarte.

Willi Winkler