Von Hans Lauber

Nach einem modernen Technikunternehmen sieht es bei der Firma Krone im Süden Berlins, nahe der Mauer und umgeben von amerikanischen Kasernen, wahrlich nicht aus. Zwischen tristen Fabrikwänden geht es auf einen nüchternen, sandfarbenen Verwaltungsneubau zu. Erst oben, im fünften Stock, ändert sich das Bild schlagartig: Hier residiert Klaus Krone in einem Arbeitszimmer, im englischen Stil gehalten, mit blauem Chinateppich und Stichen an den Wänden.

Der Mittvierziger ist vom Erfolg verwöhnt. Er formte in wenigen Jahren aus einem dahinsiechenden Betrieb ein leistungsfähiges Kommunikationsunternehmen. Die Krone GmbH ist einer der weltweit führenden Anbieter von Telephonanschlußtechnik. Dazu zählen beispielsweise die Verteilerkästen auf den Straßen. Das Unternehmen baut aber auch modernste Telephone und mischt bei der zukunftsträchtigen Glasfasertechnik mit. Ein überdurchschnittlicher Entwicklungsaufwand – rund zehn Prozent vom Umsatz – soll dem Familienbetrieb in den nächsten Jahren zum großen Sprung nach vorn verhelfen: Statt heute 300 Millionen Mark will man schon 1990 eine Milliarde umsetzen.

Die Chancen sind nicht schlecht: „Wir liegen über der Umsatzrendite von Siemens“, zieht Krone den Vergleich zu dem Elektroriesen. Selbst der Bundeskanzler und der Postminister rufen mittlerweile in Berlin an, wenn bei ihren Reisen Fernmeldebelange auf dem Programm stehen. Und was in Berlin besonders wichtig ist: Klaus Krone gehört neben dem Schulmittelfabrikanten Herlitz zu den Vorzeigeunternehmern der Stadt.

Das war nicht immer so. In den siebziger Jahren sprach selbst die wirtschaftsnahe Zeitschrift der Industrie- und Handelskammer von „einem starken Einbruch“, wurden zweistellige Verluste registriert, schrumpfte die Belegschaft um die Hälfte. Das Ende schien absehbar. Niemand glaubte, daß die Firma einen zweiten derartigen Schlag wegstecken könnte.

Denn schon einmal, nach dem Krieg, war das 1928 von Gustav Krone gegründete Unternehmen am Boden. Da fast alle Betriebsteile der damaligen 6000-Personen-Firma Krone & Co. in Ost-Berlin lagen, mußte Krone den Neuaufbau im Westteil wagen. Krone schaffte zwar den Wiederbeginn, doch als er 1971 überraschend starb, hinterließ er kaum zu bewältigende Hypotheken.

Wie bei vielen Familienbetrieben war vor allem die „Nachfolgefrage nicht sonderlich attraktiv geregelt“, so Gründer-Sohn Klaus Krone. Da gab es einen mit aller Machtfülle ausgestatteten Aufsichtsratsvorsitzenden – einen Posten, den der Firmengründer später selbst einmal einnehmen wollte. Doch nach seinem Tod im Jahre 1971 fiel diese Schlüsselposition, wie testamentarisch verfügt, dem Hausbankier zu. Das war Jakob Kehren, Vorstandsmitglied der senatseigenen Berliner Bank.