Von Klaus-Peter Schmid

Perspektive“ stand über dem Beitrag in der Wirtschaftswoche – und die Perspektive sah sehr verlockend aus. Autor Heik Afheldt, Chef der Prognos AG in Basel: „Nach 1990 dreht sich der Wetterhahn auf den Arbeitsämtern recht schnell. Die Zahl der Erwerbspersonen, also die Nachfrager nach Arbeitsplätzen, sinkt rapide: zwischen 1990 und 2000 um 1,6 Millionen.“

Für den eiligen Leser lag der Schluß nahe: Mit dem Beginn des nächsten Jahrzehnts kann der Sieg über die Arbeitslosigkeit gefeiert werden. Und bis dahin, so verkündet es schließlich die Bundesregierung, geht es ohnehin ständig bergauf.

„In jedem Fall wird in diesem Jahr die Arbeitslosenzahl merklich geringer als im Vorjahr ausfallen“, hieß es im jüngsten Jahreswirtschaftsbericht. Nach der Schätzung von Wirtschaftsminister Martin Bangemann soll es im Jahresdurchschnitt 1986 nur noch etwa 2,15 Millionen Arbeitslose geben – gegenüber knapp 2,6 Millionen Ende Februar.

Dieser positive Trend, so der Jahreswirtschaftsbericht zuversichtlich, wird sich verstärken: „Da in Zukunft der demographisch bedingte Einfluß auf die Zunahme des Erwerbspersonenangebots abnimmt, wird sich eine anhaltende Beschäftigungszunahme von nun an verstärkt in einer Abnahme der Arbeitslosenzahlen niederschlagen können.“

Für die Regierung wäre eine solche Entwicklung der richtige Erfolg im rechten Augenblick: Die Wende zum Besseren in den kommenden Monaten, also just vor den Bundestagswahlen im nächsten Januar; dann der definitive Schlag gegen die Arbeitslosigkeit ab 1990, also rechtzeitig, um im dann wieder anstehenden Wahlkampf den Erfolg konsequenter Politik zu preisen. Besser könnte das timing nicht sein.

Daß das Jahr 1990 als eine Art magischer Schwelle in die bessere Zukunft gilt, hat seinen guten Grund. Dafür ist die demographische Entwicklung in der Bundesrepublik verantwortlich, die sich mit hoher Genauigkeit für den Arbeitsmarkt voraussagen läßt. Diese Rechnungen ergeben, daß mit dem Ende dieses Jahrzehnts die (bislang noch wachsende) Zahl der Jugendlichen, die neu auf den Arbeitsmarkt kommen, zurückgeht. Von 1990 an wird sich der starke Geburtenrückgang der vergangenen 15 Jahre voll bemerkbar machen.