Berlin: „Jürgen Klauke“

Kunst hat Konjunktur; wer wüßte es nicht. Keiner Stadtverwaltung, keinem Immobilienmakler muß man heute mehr erklären, wie vorteilhaft die Anwesenheit von Kunst in Gestalt von Galerien und Ausstellungsräumen in Stadtzentren oder Einkaufspassagen wirkt. Das kann für beide Seiten eine Chance sein, an neue Besucher und Kindern zu gelangen. Die Berliner Nationalgalerie, deren Raumnöte in den vergangenen Jahren schmerzlich spürbar geworden sind, hat jetzt, amerikanischem Vorbild folgend, eine City-Dependance im Neubau eines Bankhauses in Betrieb nehmen können. Auf fünf Jahre kostenlos zur Verfügung gestellt, erlaubt das 600 Quadratmeter große „Kunstforum in der Grundkreditbank“ genau jene Einzelausstellungen zeitgenössischer Kunst, die im eigenen Haus am Landwehrkanal zwischen Sammlungspräsentation und Großausstellungen einfach nicht unterzubringen waren. Den Anfang im Rundraum des „Kunstforums“ macht der 42jährige Kölner Jürgen Klauke, der – wie leider nicht eben wenige Vertreter der westdeutschen Kunstszene – in Berlin bisher noch nicht mit einer Einzelausstellung vorgestellt worden war. Bislang hatte sich Klauke überwiegend mit Photographie, Video und Performance beschäftigt und dabei vielfach die Umstände des Künstlerberufs thematisiert. Daran knüpfen die hier gezeigten Arbeiten aus der Sequenz „Very de Nada“ an, großformatige und schwarzgesättigte Photoarrangements, in denen einzelne Gegenstände ebenso unbestimmt wie assoziativ aufblitzen. Auf den ersten Blick sehr verschieden davon wirken die wandtafelgroßen Gouachen, die den größeren Teil des Rundraumes mit ihrer leuchtenden Farbigkeit erfüllen. Wieder spielt Klauke mit Versatzstücken und Assoziationen zwischen Pseudo-Indienmystik und Transavanguardia, die sich gleichwohl zwanglos zu schwebend-leichten Kompositionen fügen. „Unsicherheitsfaktor“ hat sich Klauke selbst genannt; zu ergänzen wäre: für den Betrachter, der Eindeutiges bevorzugt. (Kunstforum bis 6. 4., Katalog 16,– Mark)

Bernhard Schulz