ZEIT: Anleger können jetzt bei der DSL Bank ein festverzinsliches Wertpapier mit einer Laufzeit von dreißig Jahren kaufen. Auch andere Institute bieten ihren Kunden wieder sehr langfristige Rentenwerte an. Wann hat es solche Angebote in Deutschland zuletzt gegeben?

Goose: Eine vergleichbare Anleihe hat unser Haus zuletzt Anfang 1971 angeboten. Dieses Datum dürfte auch für andere deutsche Kreditinstitute gelten, denn meines Wissens wurden danach solche langfristigen Papiere nicht mehr emittiert.

ZEIT: Was ist der Grund dafür, daß Banken und Sparkassen wieder mit derartigen Papieren an den Markt gehen? Ist das eine Modeerscheinung oder zeichnet sich ein neuer Trend ab?

Goose: Erst mal muß man berücksichtigen, daß die wiedergewonnene Stabilität des Geldwertes in der Bundesrepublik die Banken überhaupt in die Lage versetzt, die Laufzeiten festverzinslicher Wertpapiere wieder heraufzusetzen. Ich glaube, daß es sich hierbei nicht um eine Modeerscheinung, sondern durchaus um eine längeranhaltende Entwicklung handelt. Daß die DSL Bank ein solches Angebot aufgenommen hat, liegt nicht zuletzt daran, daß wir Interesse für eine sehr langfristige Anleihe registriert haben.

ZEIT: Wer interessiert sich denn für diese Anleihe?

Goose: In erster Linie sind das professionelle Geldanleger wie beispielsweise Investmentfonds und Versicherungen.

ZEIT: In den vergangenen dreißig Jahren lag der deutsche Kapitalmarktzins im Durchschnitt bei acht Prozent. Die langfristigen Papiere bieten für die kommenden dreißig Jahre eine Rendite von rund sieben Prozent. Ist das nicht ein schlechtes Geschäft für die Anleger?