Die Lufthansa hat ihr elektronisches Buchungssystem START für alle Anbieter von Verkehrs- und Touristikleistungen geöffnet. Somit entsteht im deutschen Reisebürogewerbe ein neues und umfassendes Vertriebssystem.

Es war eine Flucht nach vorn, die Lufthansa-Vorstandsmitglied Frank Beckmann jetzt als „neuen START“ ankündigte. Die deutsche Staatslinie hatte, wie so oft, wenn sie unter äußeren Druck gerät, spät, aber mit Qualität geantwortet: Ihr Buchungssystem START wird für alle Interessenten geöffnet, für Fluggesellschaften, Hotelgruppen, Mietwagenunternehmen etc. Künftig kann man im Reisebüro über einen Terminal alle Leistungen abrufen und vergleichen, sofern die Anbieter dieser Leistungen die Gebühren für die START-Aufnahmezahlen.

In der Vergangenheit bestand diese Möglichkeit nicht. Auf den START-Bildschirmen erschienen nur bestimmte Flüge und Fluglinien, beispielsweise jene Flugverbindungen, die in Kooperation mit der Lufthansa geflogen wurden. Diese Einschränkungen, die natürlich der Lufthansa Wettbewerbsvorteile verschafft haben, fallen nun weg.

Grund für die Erweiterung des Systems ist die sich mausernde Konkurrenz: zum einen das Bildschirmtext-Verfahren, mit dem einige Touristikunternehmen schon den schnellen Draht zum Reisebüro halten, zum anderen aber die effizienten Elektroniksysteme der US-Linien American Airlines (genannt SABRE) und United Airlines (APOLLO).

Beide Systeme versuchen derzeit, auch in der Bundesrepublik Fuß zu fassen. Vor allem American Airlines, die Frankfurt, Düsseldorf und München anfliegen, haben bereits einige ihrer Sabre-Terminals in deutschen Reisebüros plazieren können. Die amerikanischen Verfahren bieten bereits all das, was die Lufthansa jetzt in ihr System einspeisen will. So offerieren die Amerikaner ihren Abnehmern heute rund 10 000 Hotels zur Auswahl für die Buchung, während START derzeit lediglich 500 Hotels enthält – und diese sind nur zusammen mit einem Flugschein zu reservieren. Künftig werden auch auf Lufthansa-Bildschirmen die Herbergsbetten ohne den Zwang zur gleichzeitigen Flugbuchung erscheinen.

Zugleich wurde ein Bonussystem eingeführt, mit dem sich faktisch die Mieten für die Computeranlagen erheblich senken lassen können. Je Ticket, das künftig über START ausgestellt wird, gibt es für das Reisebüro eine Gutschrift von ein bis vier Mark. Ähnliche Boni bieten bereits einige Touristikunternehmen.

Für den Reisebürokunden kann das bedeuten, daß sein Berater ihm vordringlich Pauschalreisen jener Firmen andient, die solche „Bildschirm-Boni“ geben. Bislang gab es bereits derartige interne Anreize zum Verkauf bestimmter Reisen – auch für „Ladenhüter“ – in Zukunft verengt sich dieses Verkaufsverfahren jedoch noch auf bildschirmtaugliche Angebote: Hier erhält das Reisebüro nicht nur seinen Buchungsbonus zur üblichen Provision, hier spart es obendrein Betriebskosten durch das wirtschaftlichere Elektronikverfahren.