Der Krupp-Konzern liefert einen neuen Beweis dafür, daß die Welt noch immer voller Freundschaften ist. Da scheidet der 56jährige Vorstandsvorsitzende der Krupp Stahl AG, Alfons Gödde, mitten in einer Vertragsperiode wegen „persönlicher Gründe“ aus, aber von einem ernsthaften Zerwürfnis zwischen Gödde und dem Vorstandsvorsitzenden der Muttergesellschaft Fried. Krupp GmbH, Wilhelm Scheider, kann keine Rede sein. So versichert es treuherzig Krupp-Sprecher Rainer Lommatzsch, der noch hinzufügt, Gödde bleibe dem Unternehmen „freundschaftlich verbunden“ und werde ihm „weiter beratend zur Verfügung stehen“.

An dieser Version sind freilich Zweifel erlaubt. Daß der polterige Gödde und der leise Scheider nicht auf gleicher Wellenlänge senden, war an der Ruhr längst kein Geheimnis mehr. Und da traf es sich vielleicht ganz gut, daß Gödde in den Verdacht einer Interessenkollision geriet. Er hatte sich nämlich an einer Reinigungsfirma beteiligt, die zum Einflußbereich des Krupp Stahl-Aufsichtsratsmitglieds Werner Resch gehört. Und ausgerechnet dieses Unternehmen hatte sich um Aufträge bei Krupp Stahl bemüht, war freilich bei einer Ausschreibung nicht zum Zuge gekommen. Resch hat inzwischen sein Aufsichtsratsmandat niedergelegt.

Ob Gödde nun nur über den Verdacht der Interessenkollision gestolpert ist, oder, ob dies der willkommene Anlaß war, ihm den Stuhl vor die Tür zu setzen, darüber darf gerätselt werden – in aller Freundschaft natürlich.

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Daß die deutschen Stahlmanager wenig Neigung haben, die vom Staat gewährten Subventionen zurückzuzahlen, wird immer deutlicher. Dabei sind von den rund drei Milliarden Mark, die an Unternehmen außerhalb der Saar geflossen sind, 1,8 Milliarden Mark dann zurückzuzahlen, wenn wieder Gewinne gemacht werden. Obwohl das derzeit der Fall ist, wollen die Manager das Geld nicht herausrücken. Beliebteste Begründung: Die Konkurrenten in anderen EG-Ländern haben sehr viel mehr Geld kassiert und entgegen den Absprachen werde auch 1986 noch subventioniert.

Dieses Argument machte sich auch Kurt Stähler, der Vorstandsvorsitzende der Stahlwerke Peine-Salzgitter AG zu eigen. Die Rückzahlungsverpflichtung sei ungerecht, und er gehe davon aus, daß sie erlassen werde. Damit löste Stähler unerwarteten Widerspruch bei seiner Muttergesellschaft, der Salzgitter AG, aus. Deren Chef, Ernst Pieper, entsann sich wohl der Tatsache, daß die Bundesrepublik Deutschland, der Stähler das Geld nicht zurückgeben will, Eigentümer der Salzgitter AG ist. Prompt fuhr er seinem Stahlmanager in die Parade: Er, Pieper, gehe nicht davon aus, daß Bonn verzichten werde. Und er brachte dafür sogar Verständnis auf – die Rückzahlung sei schließlich Geschäftsgrundlage gewesen, als man das Geld kassiert habe.

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