Bei der Fahndung nach dem Mörder von Olof Palme häufen sich die Pannen. Die schwedische Polizei ist hilflos und überfordert.

Der Tatsache, daß es bei der Ermittlungsarbeit der Polizei keine Fortschritte gibt, mißt der schwedische Rundfunk dreieinhalb Wochen nach dem Mord an Olof Palme keinen Neuigkeitswert mehr bei. Es gibt daher nun Nachrichtensendungen, in denen Palmes Ermordung nicht mehr erwähnt wird. Fahndungschef Hans Holmer jedoch will mit Statistik dem Eindruck begegnen, seine Abteilung habe, nachdem ihr bisher so ziemlich alles mißglückte, was sie versuchte, die Hoffnung aufgegeben, Palmes Mörder zu fassen. Seine Leute arbeiteten sieben Tage pro Woche zwanzig Stunden täglich, sagt Holmer. 400 Mann seien im Einsatz, um 14 000 Tips nachzugehen, die nach dem Verbrechen aus der Bevölkerung kamen. 2600 Namen hat die Polizei in das Datenregister eingespeichert, in dem sie alles sammelt, was mit ihrem wichtigsten Fall zu tun hat. Von der Mordwaffe hat sie bisher keine Spur. Auch nicht vom Mörder. Geschweige denn von dessen eventuellen Hintermännern und deren Motiven.

Jetzt fahndet die Polizei nach einem mittelblonden Mann, der Palme während seiner letzten Tage beschattet haben soll. Der Mörder ist es nicht, sagt Holmer. Die Öffentlichkeit nimmt zur Kenntnis, daß die Polizei einem neuen Stückchen ihres Puzzlespiels auf der Spur zu sein glaubt. Die Hoffnung, daß dies die Aufklärung des Verbrechens entscheidend voranbringe, wird dadurch nicht gestärkt. So kümmerlich ist das Bild, das die Polizei bisher abgegeben hat.

Sie hat einen Mann verhaftet, zunächst unter vagem Verdacht, und ihn die nach schwedischem Gesetz erlaubten fünf Tage festgehalten. Sie ist dann, als der Oberstaatsanwalt den Haftbefehl nachlieferte, mit Aussagen an die Öffentlichkeit gegangen, die nicht anders verstanden werden konnten, als daß die Polizei überzeugt war, den Mörder gefunden zu haben. Zwei Tage später – noch ehe der Verdächtige den Richtern vorgeführt war – ließen die Polizisten ihn wieder frei.

Niemand kann die Polizei kritisieren, weil sie den Mann festnahm. Er war in der Nähe des Tatortes gesehen worden, hatte kein Alibi und so verwirrte politische Ideen, daß sie zumindest als mögliches Motiv herhalten konnten. Ihn nicht näher anzusehen, wäre fahrlässig gewesen. Selbst sein Anwalt empfand die Festnahme als durchaus logisch. Dann aber ließen sich Staatsanwalt und Polizeichef, erpicht, der nach Resultaten hungernden Öffentlichkeit endlich einen Erfolg mitteilen zu können, zu Aussagen hinreißen, die die vagen Indizien auf einmal wie handfeste Beweise aussehen ließen.

Als dann die Indizienkette riß, fragten die Schweden sich verwundert, warum die Polizei deren Haltbarkeit nicht geprüft hatte, ehe der Verdächtige weltweit zum mutmaßlichen Täter gestempelt wurde. Schließlich hatte Holmer die unbrauchbare Aussage eines Zeugen, der unmittelbar nach dem Tatzeitpunkt in seinem Auto von dem Verdächtigen angehalten worden sein wollte, als Hinweis dafür genommen, daß der Mann auf der Flucht gewesen sei.

Die schwedische Polizei macht sich bei der größten Fahndung in ihrer Geschichte von den Experten des Bundeskriminalamtes in Wiesbaden abhängig – ob es gilt, ein Phantombild zu erstellen oder die Kleidung eines Verdächtigen nach Schußspuren zu analysieren. Das stärkt das Vertrauen der Schweden in ihre Polizei natürlich nicht. Bisher war die Polizei als Hüterin rechtschaffener Ordnung in dem skandinavischen Wohlfahrtsstaat weithin unumstritten. Jetzt sieht sie sich schon überfordert, wenn sie Pulverschmauch finden soll, und das kratzt an ihrem Image. Von ausländischen Experten ist man in Schweden nicht gerne abhängig.