Der Versuch der Opec, den Ölmarkt wieder unter Kontrolle zu bringen, ist gescheitert. Die Preise bleiben unten.

Es wird Frühling, und die Opec sitzt in der Klemme. Immer wenn auf der nördlichen Halbkugel die wärmere Jahreszeit ausbricht, sinkt der Ölverbrauch, und dann hat das Kartell der ölexportierenden Staaten Mühe, die Preise zu halten. So auch in diesem Jahr.

In Genf jedenfalls, bei ihrer Mammutkonferenz, zeigten sich die dreizehn Kartellmitglieder zerstritten wie eh und je. Die Vereinigten Arabischen Emirate, Venezuela und der Irak verweigerten jede Kürzung ihrer Ölförderung. Der Iran, seit mehr als fünf Jahren mit dem Kartellbruder Irak im Krieg, wollte seine Ölproduktion nur dann drosseln, wenn der Kriegsgegner exakt gleichermaßen Verzicht übte. Saudi Arabien lehnt es prinzipiell ab, sich Vorschriften machen zu lassen.

Bei dieser Konstellation mußte das Treffen der Ölminister scheitern. Selbst wenn sie einen Kompromiß gefunden hätte, so glaubt der Opec kaum noch jemand, daß sie dazu steht. Eigentlich werden nur noch die Saudis ernst genommen. Obwohl sehr auf ihre Autonomie bedacht, haben sie sich in der Vergangenheit in aller Regel an die Vereinbarungen der Ölminister gehalten.

Wie sehr es dem einst mächtigsten Kartell der Welt an Orientierung fehlt, beweist die jetzt in Genf versuchte Rückkehr zu festen Förderquoten für die einzelnen Mitglieder und einer damit begrenzten Gesamtförderung. Erst Anfang Dezember hatte die Opec diese Strategie aufgegeben. Denn die seit 1981 praktizierte Verknappung des Angebots von Rohöl hatte die Preise nicht auf dem angestrebten Niveau gehalten. Statt dessen wollte die Opec sich einen „fairen Marktanteil“ und damit ausreichende Einnahmen sichern.

Das Resultat dieser schon vorher notdürftig kaschiert betriebenen Politik nach dem Motto „die Masse muß es bringen“ ist bekannt: Seit Dezember sind die Preise für Rohöl etwa um die Hälfte gesunken, aber der Marktanteil der Opec ist nicht dauerhaft gewachsen. Die wichtigsten Kartell-Konkurrenten Großbritannien und Norwegen haben unverdrossen weiterproduziert. Nur bei einigen winzigen Ölquellen in Texas und Kalifornien erzielte die Opec den gewünschten Effekt: Sie wurden zugedreht.

Dem Kartell hilft dies allerdings gar nicht. Es muß sich damit abfinden, daß hohe Ölpreise, große Absatzmengen und satte Einnahmen auf die Dauer nicht gleichzeitig erzielt werden können. Das verhindern die Marktgesetze. Deren Wirkungen fürchten vor allem Saudi Arabien, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate. Weil ihre Ölvorräte bei heutiger Förderung noch zwischen 120 Jahre (Emirate) und gut 250 Jahre (Kuwait) reichen, sind sie darauf angewiesen, daß diese wichtigsten Einnahmequellen bis zu ihrer Erschöpfung rentabel bleiben. Deshalb müssen konkurrierende Energiequellen (Kohle, Gas, Ölvorkommen in anderen Regionen, Kernenergie) unter Kontrolle bleiben und das Energiesparen gebremst werden. Dies geht nur mit moderaten Ölpreisen.

Deshalb haben die Saudis in den vergangenen Monaten sehr bewußt für eine Ölschwemme gesorgt. Sie kalkulierten offenbar, daß ihnen ein Ölpreis von etwa zwanzig Dollar pro Barrel langfristig die höchsten Einnahmen im Ölgeschäft sichert. Für alle Verbraucher kann dies die angenehme Folge haben, daß Öl wahrscheinlich bis in die neunziger Jahre hinein nicht wesentlich teurer sein wird als heute. Erst dann kann sich den radikalen Opec-Staaten eine neue Chance zur Preistreiberei bieten. Peter Christ