Von Gerd Bockwoldt

Wenn in diesem Jahr in vielfältiger Weise des 200. Geburtstages des Komponisten Carl Maria von Weber gedacht wird, dürfte es hinsichtlich des Geburtsmonats keine abweichenden Meinungen mehr geben. Mag auch der Vater Franz Anton von Weber den 18. Dezember 1786 als Geburtstag in Erinnerung gehabt haben, so daß dieser Tag in der Familie gefeiert wurde und sogar noch die Sarginschrift 1826 („natus oppido Eutin inter Saxones die 18. Decembris“) dieses Datum festhielt, die Eintragung im Taufregister der Eutiner Hofgemeinde ist eindeutig. Sie läßt entgegen der Auffassung des Sohnes Max Maria – dessen dreibändiges Werk „Carl Maria von Weber. Ein Lebensbild“, Leipzig 1864/66, ist gleichwohl immer noch die wichtigste biographische Quelle – keinen Zweifel zu:

„den 20. Nov. ist getauft Carl Maria Friedrich Ernst die Eltern der Kapellmeister H(err) v. Weber u dessen Ehefrau. Gevattern Sn. Durchl. Prinz Carl zu Hessen, Statthalter zu Schleswig u Holstein, höchst dero Stelle vertreten H(err) Jägermeister von Witzleben, Ihre Durchl. die verwitwete Frau Herzogin hieselbst höchst dero Stelle vertreten das Fräulein Hofmeisterin du Hamel, H(err) Hofmarschall von Both.“

Streiten ließe sich allenfalls noch darüber, ob als Geburtstag nun der 18. oder der 19. November in Frage kommt. Max Maria von Weber hat dazu angemerkt, wohl zu Recht, daß gemäß guter alter katholischer Sitte die Taufe immer möglichst schnell auf die Geburt folgte, was für den 19. spricht.

Mit dem Verweis auf das Register der Hofgemeinde werden dann allerdings Feststellungen korrigiert, wonach die Taufe Carl Maria von Webers in der Stadtkirche zu Eutin – so zuletzt M. Leitner 1978 in seiner Rowohlt-Monographie – stattgefunden habe, ganz abgesehen von unpräzisen Formulierungen: J. Warrack spricht in seiner Biographie, Hamburg 1972, von einem „Taufeintrag in der Landeskirche“.

Es war über Jahrhunderte eine Besonderheit Eutins, daß Hof- und Stadtgemeinde als selbständige und soziologisch unterschiedlich strukturierte Institutionen nebeneinander existierten. So gibt es die Schloßkapelle seit 1293, die Stadtkirche wird zum erstenmal 1240 erwähnt. Erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts fusionierten die beiden Gemeinden. 1807 stellte der letzte Hofprediger, Georg Heinrich Albert Uckert, sein Amt zur Verfügung. Verbindungen zwischen den Gemeinden hatte es schon vorher gegeben, versahen doch die Superintendenten an der Stadtkirche St. Michaelis in der Regel gleichzeitig das Amt des Hofpredigers. Es gab aber auch Ausnahmen, und in solch eine Zeit fielen Geburt und Taufe Webers.

Vergleiche des Schriftbildes zeigen, daß der Taufeintrag im Register der Schloßgemeinde von dem eben genannten letzten Hofprediger Uckert stammt, der, bevor er diese Stelle von 1772 bis 1807 bekleidete, zehn Jahre Hauptpastor an der Stadtkirche gewesen war. Uckerts Eintragungen sind dadurch gekennzeichnet, daß er fast diagonal, zumindest aber sehr schräg von links unten nach rechts oben sowohl schrieb als auch Linien zog.