Atomkraftgegner wollen zu Ostern am Baugelände der geplanten Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf demonstrieren. Der bayerische SPD-Bundestagsabgeordnete Axel Wernitz hat vor diesen Demonstrationen gewarnt.

ZEIT: Sie haben Ihre sozialdemokratischen Parteifreunde aufgefordert, in Wackersdorf zu Ostern nicht mitzudemonstrieren. Warum?

Wernitz: Das ist so nicht richtig. Wir haben in der Landesgruppe der bayerischen SPD-Bundestagsabgeordneten nach langer Diskussion zwei Empfehlungen beschlossen: Einmal, daß man angesichts der Erkenntnisse über gewalttätige Demonstrationen in Wackersdorf zu Ostern – Aufrufe dazu gibt es landesweit und darüber hinaus – eine Dislozierung anstreben sollte – das heißt, daß man mehrere Kilometer vom Bauzaun entfernt demonstriert. Dieser Beschluß ist nahezu einmütig gefaßt worden. Ein zweiter Beschluß ist mit einer nicht so großen Mehrheit gefaßt worden, als Anregung auch an die bayerische SPD, wonach als Ultima ratio auch die Rücknahme des Aufrufe der SPD zur Demonstration in Frage kommt.

ZEIT: Kann sich Ihre Partei eigentlich von ein paar hundert potentiellen Gewalttätern vorschreiben lassen, wo sie demonstriert und wo nicht?

Wernitz: Mein Vorschlag – und deshalb vorhin meine Korrektur zu Ihrer Frage – geht ja dahin, daß man disloziert aufgrund guter Erfahrungen der Vergangenheit, etwa in Brokdorf. Damit gibt man eben nicht den Chaoten nach, sondern tut etwas für die politische Kultur in unserem Land. Man muß sich um Konditionen bemühen, bei denen die Gewalttäter keine Chance haben. Für die SPD ist es selbstverständlich, daß sie sich zur Gewaltlosigkeit und Friedlichkeit bei Demonstrationen bekennt.

ZEIT: Und die SPD traut sich nicht zu, dafür zu sorgen, daß die Minderheit friedlich bleibt?

Wernitz: Das ist nicht die Frage. Da ist doch schon einiges an Gewaltakten passiert, und es gibt eben eine ganze Reihe von Aufrufen, in denen zum Beispiel dazu aufgefordert wird, entsprechendes Handwerkszeug mitzubringen, Eisensägen, Vorschlaghammer, Seilwinden, Schneidbrenner und Steckschraubenschlüssel. Diese Gruppen rufen zur Demontage des Bauzauns auf. Sie wollen die friedlichen Demonstranten als Schutzzaun benutzen gegen die Polizei. Vor diesem Hintergrund müssen wir einfach überlegen: Was kann man tun? Das ist nicht ein Zeichen unserer Schwäche, sondern unserer Stärke und Souveränität.