Sieg der Sektierer

Eine politische Sekte triumphiert. Bei den kommenden Wahlen im großen amerikanischen Bundesstaat Illinois dürfen sich Gefolgsleute des reichen Sonderlings Lyndon LaRouche als offizielle Kandidaten der Demokratischen Partei für die Posten des Vize-Gouverneurs und des wichtigsten Landesministers präsentieren. Der demokratische Gouverneurskandidat Adlai Stevenson, Sohn eines Präsidentschaftskandidaten der fünfziger Jahre, muß nach dem unerwarteten Sieg der bizarren Außenseiter bei den Vorwahlen sein eigenes Parteietikett wechseln, um die LaRouche-Leute von seinem Ticket zu verbannen. Was sollte auch der liberale Stevenson mit einem Stellvertreter anfange, der als blinder Anhänger seines Guru vom Segen aller Waffensysteme und von menschheitsgefährdenden Komplotten der Kommunisten, Zionisten, Umweltschützer und Monarchen faselt? La-Rouche selbst, häufig schon Präsidentschaftskandidat unter ferner liefen, und seine deutsche Frau Helga Zepp, Chefin der „Europäischen Arbeiterpartei“, werden sich nach dem Wahlerfolg jedenfalls in ihrem Wahn bestätigt sehen: Jeder Unsinn hat Erfolg, für den lange genug mit Geld geworben wird.

Rückkehr der Kämpfer

Israels unglückseliger Libanon-Feldzug von 1982 brachte den Invasoren nur einen deutlichen Erfolg: den Abzug von 12 000 PLO-Kämpfern aus dem belagerten Beirut. Auch darüber können sich die Israelis nicht mehr freuen, falls sie die Reden Salah Chalafs für mehr denn Großsprecherei halten. Der Palästinenser, unter dem Pseudonym Abu Ijad Nummer zwei in Jassir Arafats Fatah, berichtete jetzt vor einem Publikum im Emirat Adu Dhabi von der Rückkehr aller PLO-Leute in die libanesische Hauptstadt. Die Beiruter Zeitungen berichteten über Chalafs Rede in großer Aufmachung; die Tageszeitung al-Anwar wußte in diesem Zusammenhang zu berichten, daß Bevollmächtigte Arafats 300 Wohnungen in West-Beirut gemietet haben, Ausweichquartiere für Freischärler, die außerhalb der Flüchtlingslager stationiert werden sollen.

Grob gesponnen

Nein, schreibt die offiziöse tunesische Tageszeitung La Presse, das sei ja alles ganz furchtbar unwahrscheinlich. Trotzdem enthüllt das Blatt der Regierung eine hanebüchene Geschichte: Frankreichs Sozialisten hätten sich in den Kopf gesetzt, den tunesischen Premierminister Mohamed Mzali, designierten Nachfolger des alten Präsidenten Bourguiba, zu stürzen – zugunsten des früheren Innenministers Driss Guiga, einen heute im Exil lebenden Freund des Libyers Ghaddafi. Wichtigster sozialistischer Wühler gegen das Regime sei der französische Botschafter Eric Rouleau, jahrzehntelang Nahostspezialist von Le Monde und sicher kein neokolonialistischer Intrigant. Tunesiens Regierung weiß aber, warum sie die alberne Geschichte aufpustet: Mzali buhlt schon um die Sympathien der neuen Herren in Paris – und was könnte denen lieber sein als ein Verbündeter, dem die Sozialisten ans Leder wollten?

Keine Kritik an Calvo-Sotelo

In der ZEIT Nr. 9. vom 21. Februar 1986 war in Helmut Schmidts Artikel aus Anlaß des Besuchs von König Juan Carlos in Bonn „Ein Glücksfall für Spanien“ ein fehlerhafter Halbsatz enthalten, auf den uns der ehemalige Ministerpräsident Leopoldo Calvo-Sotelo aufmerksam gemacht hat. Als am 23. Februar 1981 die Putschisten unter Oberstleutnant Tejero das versammelte Parlament als Geisel in ihre Gewalt brachten, war Calvo-Sotelo als neuer Ministerpräsident zwar vom König schon designiert, aber vom Parlament tatsächlich noch nicht gewählt. Er wurde erst am 25. Februar zum Ministerpräsidenten gewählt; es hatte dazu eines zweiten Wahlganges bedurft, der für den 23. Februar vorgesehen, des Putschversuchs wegen dann aber verschoben worden war. Bis zum 25. Februar führte noch Adolfo Suarez die Geschäfte. Helmut Schmidt bedauert, daß aus seinem Artikel Kritik am Verhalten von Calvo-Sotelo als Ministerspräsident herausgelesen werden konnte.