Von Hans Jakob Ginsburg, Roland Kirbach und Rolf Thym

Wackersdorf, Ende März

Die Wirtin des Gasthofes Gilch in Traunricht, einem Marktflecken ungefähr 20 Kilometer von Wackersdorf entfernt, stürzt aufgeregt ins Nebenzimmer: „Jetzt san’s alle auf amol ganga!“ Die Gaststube vorne hat sich schlagartig geleert, weil die Leute von der örtlichen Bürgerinitiative hereingeschneit kamen, um die Ostermontagskundgebung vorzubereiten. „Ich tat euch Unterschlupf geben, sagen’s“, klagt die Wirtin, eine entschiedene Gegnerin der WAA.

In Traunricht wird Berta Gilch von den Nachbarn gemieden. Neulich habe sie in der Gaststube gesessen und gestrickt. „Aha“, hat da ein Gast gesagt, „jetzt strickst scho! Wählst wohl jetzt aa die Grünen?“

Neugierig schaut die Wirtin, während sie die Bestellungen notiert, in die Runde. Ein paar unbekannte Gesichter sind dabei. Auf einem jungen Mann aus Berlin bleibt ihr Blick haften: „Den laßt’s aber net vorndran gehen!“ meint sie mütterlich angesichts seiner zweifarbigen Punkfrisur.

Michael Mohr, der Sprecher der Bl-Ortsgruppe, gibt letzte Instruktionen: „Wir müssen tausend Ordner stellen, weil die Polizei sich geweigert hat, den Verkehr zu regeln.“ Erfreuliche Nachricht: Die Sonderzüge aus Nürnberg dürfen auf dem stillgelegten Bahnhof Wackersdorf halten. Von Schwandorf aus verkehren Pendelbusse.

„Wer zum Bauzaun hoch will“, rät Michael Mohr, „soll unbedingt Brille und Regenschirm mitnehmen.“ „Seid’s vorsichtig! Seid’s vorsichtig!“ mahnt die Wirtin. „Gehn’s halt morgen mit!“ – „Ich trau mi net“, erwidert sie kleinlaut. Außerdem: Der Sohn und die künftige Schwiegertochter gehen ja schon hin.