Wie ein Umwelttechniker vergeblich um die Finanzierung seiner Erfindung kämpft

Von Norbert Höfler

Franz Josef Strauß war eigentlich gar nicht zuständig, aber auf den Hilferuf eines verzweifelten Erfinders aus dem CDU-regierten Niedersachsen reagierte der bayerische Ministerpräsident prompt. Der CSU-Vorsitzende ließ dem um Hilfe und finanzielle Unterstützung bittenden Erfinder Nikolaus Reininger aus Lehrte bei Hannover ausrichten: „Herr Ministerpräsident Strauß dankt für Ihr Schreiben, in dem Sie auf Ihre Entwicklungsarbeiten zur Wärmerückgewinnung aus dem Rauchgas hinweisen. In seinem Auftrag wird Ihr Vorbringen überprüft. Dies wird eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen. Die Staatskanzlei bittet daher um etwas Geduld.“

Doch dann bekam Reininger, der hoffte, seine Behördengänge würden im Freistaat endlich erfolgreich enden, eine Nachricht, die er mittlerweile auch schon von anderen Adressaten gewohnt ist. Seine Erfindung trage zwar dazu bei, „den Brennstoffwert von Öl oder Gas noch besser als bisher auszunutzen“, lobte ihn die bayerische Regierung, „aber man bedauere, ihm nicht unmittelbar behilflich sein zu können“.

Seit mehr als elf Jahren forscht Nikolaus Reininger an einem energiesparenden und umweltschonenden Heizungsverfahren für Wohnhäuser. Werkstatt und Labor ist sein enger Heizungskeller – ein Chaos von Glasteilen, gewundenen Plastikrohren, verdreckten Reagenzgläsern. An der Wand, sorgfältig gerahmt, die Reproduktion des Phonographen-Patents von Thomas Alva Edison, ein Geschenk des Deutschen Erfinderrings für „außerordentlich fortschrittliche Leistungen auf dem Gebiete der Gebäudeheizeinrichtungen“.

Für sein Heizungssystem bettelt Reininger seit mehr als fünf Jahren um Landes- oder Bundeshilfe. Er scheiterte. Und das, obwohl seine Erfindung als brauchbar und gut anerkannt wird. Die Bundesregierung denkt über Vorschriften nach, um die 300 000 Tonnen des Umweltgiftes Schwefeldioxid, die jedes Jahr aus den Hauskaminen quillen, zu reduzieren. Doch Reininger verirrt sich immer wieder im Labyrinth der „Nicht-Zuständigkeit“.

Auch die von Unternehmern und Regierenden als „Chance für den deutschen Tüftler“ gelobten und mit Millionenbeträgen subventionierten Technologieparks und Erfinderzentren verweigern Reininger ihre finanzielle Unterstützung.