Würzburg

Die Hiobsbotschaft erreichte die meisten Würzburger noch am Frühstückstisch. "Ethanol im Bier – auch Wein belastet", verkündete in roten Lettern die Main Post. Auf Seite eins des Lokalteils stand am 1. April zu lesen, daß nun auch in fränkischen Spirituosen organische Verbindungen gefunden worden seien.

Professor Max Schmidt, Vizepräsident der Würzburger Universität und Vorstand des Instituts für Anorganische Chemie, bestätigte in dem Artikel, daß er in mehreren Proben des örtlichen Gerstensaftes Spuren der chemischen Verbindung "Ethanol", einer Flüssigkeit wie sie auch in Desinfektions- und Fensterputzmitteln vorhanden sei, entdeckt habe. Die Chemikalie, so fuhr der Naturwissenschaftler fort, sei ihm schon seit längerem bekannt und in höheren Dosen durchaus nicht ungefährlich.

Um die Konsumenten lückenlos aufzuklären, zitierte die Main Post ein Pharmalexikon, demzufolge die nachgewiesene Substanz, je nach eingenommener Menge, "sedativ, hypnotisch oder sogar narkotisch" wirke. Da die wasserklare Flüssigkeit leicht in gasförmigen Zustand übergehe, fragte das Blatt, ob bei übermäßigem Genuß des durchsetzten Bieres nicht Brand- oder Explosionsgefahr für den Konsumenten bestünde. All diejenigen, die auf Nummer Sicher gehen wollten, wurden aufgefordert, mit Kästen und Fässern zum Marktplatz zu marschieren, wo ein "Freundeskreis Mainfränkischer Kultur und Getränke" eine "Pils-Beratungsstelle" eingerichtet habe.

Spätestens an dieser Stelle, so dachte Herbert Kriener, der Verfasser der "Warnmeldung", würden sich die Bürger des besonderen Datums besinnen und den Aprilscherz erkennen. "Ethanol" ist ja schließlich nichts anderes als der wissenschaftliche Fachausdruck für ganz gewöhnlichen Trink-Alkohol, wie er in jedem Bier, Wein oder Whiskey enthalten ist.

Doch der Journalist hatte seine Rechnung ohne die Würzburger Wirte und Brauereibesitzer gemacht. Den ganzen ersten April über standen die Telephone in der Geschäftsstelle der Main Post nicht mehr still.

Gaststättenpächter forderten die Zeitung auf, eine Gegendarstellung zu drucken, da ihre Kunden das Bier verweigern würden. Ein Supermarktbesitzer beschwerte sich, der Bierkonsum in seinem Schnellrestaurant sei schlagartig auf Null gesunken.