Ein oberpfälzischer Händler will mit Aldi-Methoden den Markt erobern

Von Manuel Schneider

Peter Unger will ganz groß ins Geschäft kommen. Geschafft hat er schon, daß Konkurrenten verschreckt und Lieferanten mißtrauisch sind. Aber Unger tut so, als ob er das nicht versteht: „Die brauchen doch keine Angst zu haben.“

Der erfolgreiche Reifenhändler Unger aus dem Oberpfälzischen verkaufte Mitte 1984 seine fünf Läden an die Pneumobil, eine Handelstochter des Reifenherstellers Veith-Pirelli. Aber nicht weil er einsah, daß man in dem seit langem übersättigten Reifenmarkt schlecht Geld verdienen kann. Im Gegenteil: Mit dem Kauferlös finanzierte er ein neu ausgeklügeltes Vertriebssystem, mit dem er der Konkurrenz Beine machen will. Seine Vorbilder sind die Lebensmittel-Discounter Albrecht (Aldi): „Ihre Strategie ist die richtige: großer Einkauf zu günstigen Konditionen, äußerste Kalkulation und schneller Warenumschlag.“ Unger – der Aldi des Reifenhandels?

„Wir sind ganz auf Expansion ausgerichtet“, verkündet Unger selbstsicher. In Zahlen: Fast gleichzeitig werden in diesen Wochen sieben Fachmärkte für Reifen, Räder und Zubehör seiner neuen UMA-Handelskette eröffnet. Weitere fünfzehn bis zu tausend Quadratmeter große Fachmärkte sind bereits angemietet oder im Bau und sollen noch in diesem Jahr hinzukommen. Als Standorte für die Zehn-Mann-Betriebe sind zunächst kleinere Städte ab 25 000 Einwohner vorgesehen – alle im süddeutschen Raum und mit wenig Konkurrenz. Fernziel sind an die hundert Läden binnen weniger Jahre – verteilt über das ganze Bundesgebiet. Aber das ist noch Zukunftsmusik in Ungers Ohren. Nur so viel ist bereits herauszuhören: Durch UMA soll der ohnehin schon harte Verdrängungswettbewerb im deutschen Reifenhandel erheblich verschärft werden.

Unger ist nicht der einzige, der sich derzeit im Reifenmarkt breitmachen will. Auch die großen Handelsketten, die – mit Ausnahme von Gummi Mayer und Stinnes – Tochterunternehmen der Reifenhersteller sind, expandieren und buhlen mit agressiver Preispolitik um die Gunst der Reifenkunden. Auf der Strecke bleiben dabei die kleineren selbständigen Handelsbetriebe, deren Management häufig von gestern ist und die sich dringend notwendige Investitionen aufgrund miserabler Ertragslage nicht leisten können.

Bei Familienbetrieben kommt oft noch hinzu, daß die jüngere Generation kein Interesse mehr hat, in das magere Geschäft ihrer Väter einzusteigen. Zahlungsschwierigkeiten und Nachfolgeprobleme treiben immer mehr freie Reifenhändler in die Arme der großen Handelsketten. Vor allem die herstellereigenen Handelsketten wie Vergölst (Conti Gummi), Holert/Konz (SP-Dunlop) oder Pneumobil (Veith-Pirelli) versuchen durch Aufkauf der in Not geratenen Betriebe ihre eigenen Vertriebsnetze enger zu knüpfen und die eigenen Marktanteile auszubauen.