Viele Engländer haben in dieser Woche zum ersten Male erfahren, wann ihre Königin Geburtstag hat: am 21. April. Der wurde bisher still in der Familie begangen und kam nicht einmal in die Zeitung. Trotzdem wurde jedes Jahr der "Geburtstag der Königin" gefeiert als Volksfest – aber im Juni!

Das ist weiser britischer Pragmatismus, wie jedem klar werden konnte, als nun der richtige Geburtstag feierlich begangen wurde, was sich beim sechzigsten schwer vermeiden ließ: Es goß in Strömen, und die Massen vor Schloß Windsor konnten die Königin nur durch einen glücklicherweise durchsichtigen Regenschirm bewundern.

Diese Frau wird bewundert wie wohl keine zweite auf der Welt. Und die gütige Strenge, der Adel ohne Arroganz, die unendliche Geduld, mit denen sie ihre Rolle spielt, sie sind bewundernswert, (siehe auch ZEIT-Magazin "Mädchenjahre einer Königin").

Intellektuelle Zyniker haben es leicht, sich über sie lustig zu machen, über ihre schrecklichen Hüte und Kopftücher, über ihren Umgang mit Hunden und Pferden, schließlich ganz allgemein darüber, daß da eine große Oper aufgezogen wird mit einer Hauptdarstellerin, die unmusikalisch ist.

Gewiß: die Reden, die sie hält, darf sie nicht selber konzipieren; die Gäste, die sie empfängt, darf sie sich nicht aussuchen; die Premierminister, die sie ernennt, werden ihr vorgeschrieben; sie muß Leuten Rang und Orden verleihen, die sie gar nicht kennt; alle öffentlichen Auftritte folgen einem Drehbuch, an dem sie noch nicht einmal mitschreiben kann.

Warum dann ist diese Frau, sie und die von ihr nun wirklich nach eigenem Gutdünken regierte königliche Familie, als einzige verschont geblieben vom Niedergang Englands im Ansehen der Weltöffentlichkeit, obwohl mit ihrer Thronbesteigung im Jahre 1952 gewiß nicht, wie manche damals hofften, ein "zweites Elisabethanisches Zeitalter" angebrochen ist?

Von vielen möglichen Antworten hier nur die drei wichtigsten: