Wenden wir uns abschließend einer Frage zu, die für unsere jungen Eltern von Belang ist: Wohin mit den lieben Kleinen, wenn’s auf die Demo geht? Auf die altbewährten Omis und Opis ist kein Verlaß; es sind viele Fälle bekanntgeworden, daß sich politisch eher konservativ eingestellte Großeltern unter Berufung auf Gewissensgründe verweigert haben, weil sie die Friedens-, Frauen- und/oder Schwulenbewegung nicht einmal indirekt und/oder mittelbar unterstützen wollten. Soll Mutter (alternativ) da die sechsmonatige Tochter im Tragetuch um den Leib binden, soll Vater (links) den zweijährigen Sohnemann im gelben Ölzeug auf die Schulter nehmen – auf daß der fröhlich krähend dem Wasserwerfer (staatstragend) ins Rohr blicke?

Immer mehr Eltern nehmen ihre Kinder ganz demonstrativ mit zu Demonstrationen, um so zu demonstrieren, sie würden ja auch für ihre Nachfahren, für Kinder und Kindeskinder demonstrieren. Oder so ähnlich. Solche durchaus ehrenwerten Motive stoßen in der Öffentlichkeit nicht nur auf Zustimmung. Unschuldige, hilflose Kreatur, die Schwächsten der Schwachen, würden skrupellos indoktriniert, lautet der häufigste Einwand. Und von Politikerseite wird argumentiert, Kinder, die noch nicht einmal ihren Namen schreiben können, seien hoffnungslos überfordert, sich zu SDI zu äußern, weil sie darüber auch nicht besser informiert seien als die Abgeordneten des Deutschen Bundestages. Diese könnten Ess-Die-Ei wenigstens schreiben.

Die Befürworter des Mitführens von Kinder bei Demonstrationen führen hingegen an, allein deren Anwesenheit entschärfe die oft recht angespannte Atmosphäre bei Protestkundgebungen; Personen mit Kindern am Leib, an der Hand oder auf den Schultern seien vor dem Kontakt mit dem staatlichen Gewaltmonopol besser geschützt als kinderlose Demonstranten. Bislang ließ sich wissenschaftlich nicht belegen, ob derartige Überlegungen Einfluß auf die Geburtenrate haben. Als weiteres Argument ist gelegentlich zu hören, es habe noch niemandem geschadet, wenn er bereits in zartem Alter gelernt habe, wie die Welt tatsächlich bestellt ist – dieses würde später vor Enttäuschungen und entsprechenden Frustrationen bewahren. Auch könne der junge Mensch gar nicht früh genug lernen, seinen staatsbürgerlichen Pflichten und Rechten nachzukommen.

Ohne dieses im einzelnen bewerten zu wollen, was ja auch nicht unsere Aufgabe ist, empfehlen wir doch folgende Regeln für den Einsatz von Kindern bei Demonstrationen und Protest-Kundgebungen. Bei Demonstrationen, in deren Verlauf mit der polizeilichen Behandlung mit völkerrechtlich geächteten Giftgasen und/oder tränengasvermischten Wasserladungen zu rechnen ist, sollte man auf Kinder gänzlich verzichten. Es hat sich als Trugschluß herausgestellt, Kinder wirkten bei dieser Gelegenheit gewalthemmend. Polizisten zählen nicht die anwesenden Kinder,-sondern ausschließlich die beiden Randalierer unter jeweils tausend Demonstranten. Unbedenklich sind hingegen Kinder bei Solidaritätsbekundungen für Innensenatoren, denen krumme Geschäfte und/oder ein gespaltenes Verhältnis zur Verfassung vorgeworfen werden. Bisher gibt es keinerlei Anzeichen dafür, daß Polizeibeamte zu gewalttätigen Ausschreitungen auch gegen solche Personengruppen neigen.

Haustiere sind bei Demonstrationen so zu behandeln wie Kinder. Klaus Pokatzky