Der schnelle Lothar Loewe (wie oft hat man ihn mit dem Fuß aufstapfen sehen und sagen hören: "Det muß ruck-zuck gehen!") hat noch einen letzten traurigen Rekord aufgestellt: Er ist der erste Intendant seit Bestehen der ARD, der vorzeitig seinen Hut nehmen muß. Drei Jahre nur saß er auf dem Chefsessel im Sender Freies Berlin; "einvernehmlich" wurde jetzt sein Abgang beschlossen.

Welch eine Agonie für dieses, bei näherem Hinsehen, doch nicht so schnelle Ende: Genau Mitte Januar hatte der damalige Vorsitzende des Rundfunkrats, Hans Höppner, im Spandauer Volksblatt gefragt: "Hat Loewe überreizt?" Eine erste Andeutung über mögliche Folgen lieferte er gleich mit: "Ist Loewe noch korrigierbar? Wenn nicht, wird der Rundfunkrat seine Wahl wohl noch vor 1988 korrigieren." Zwei Abwahlanträge gegen den Intendanten scheiterten: einer aus formalen Gründen, einer am Willen der CDU-Mitglieder im Rundfunkrat. CDU-Generalsekretär Klaus-Rüdiger Landowsky, graue Eminenz im Rundfunkrat, sagte damals der ZEIT apodiktisch: "Wir werden Loewe nicht abwählen." Er sagte dies, als der "Berliner Sumpf" – die von Bauskandalen, Parteispenden und Bestechungen ausgelöste Senatskrise – gerade sichtbar wurde. Weil jetzt die Trennung von Loewe im Rundfunkrat einstimmig beschlossen wurde, drängt sich der Verdacht auf: Landowsky wollte erst die Senatskrise bereinigen, dann Loewe abhalftern.

Loewes Scheitern wird freilich weitere Folgen haben: Die Forderung, nicht Politiker oder Verwaltungsjournalisten sollten einen Sender leiten, sondern Journalisten, hat kaum noch Wert. Wie schnell wird der wirkliche Grund (der falsche Mann am falschen Platz) in Vergessenheit geraten, wie lange der allgemeine Eindruck (Journalisten taugen nicht als Intendanten) hängenbleiben?

Der Sender steht nun nackt da. Die Amtsgeschäfte des Intendanten führt der Verwaltungsdirektor; für den scheidenden Chefredakteur und den scheidenden Programmdirektor sind keine Nachfolger in Sicht. Als Ersatzmann für Loewe ist Jörg Rüggeberg, Justitiar beim Südwestfunk, im Gespräch. Das läßt aufhorchen. Rüggeberg war ehedem in der Mainzer Staatskanzlei tätig; er gilt als Favorit des Konrad-Adenauer-Hauses. Wird er Nachfolger, dann bleibt Landowsky der heimliche Intendant. Michael Schwelien