DIE ZEIT

Salami-Taktik

SDI hat die Stimmung ein bißchen versaut – da bietet sich Berlin an," meint ein Beamter im Rathaus Schöneberg zur Erklärung der jüngsten Ost-Berliner Manipulation am Status der geteilten Stadt.

Mattscheibe

Dem "Scheibenwischer" soll es an den Kragen gehen. Erst entschied der Münchner Fernsehdirektor Helmut Oeller: Nicht für seine unmündigen Fernseh-Bürger.

Kunststück

Im Gespräch mit Jugendlichen hat Bundespräsident von Weizsäcker zwei Eckpunkte seines Amtsverständnisses genannt: Einmal die Teilnahme an der Entwicklung des öffentlichen Bewußtseins durch Fragen und durch den Dialog, zum anderen das ständige Bemühen, in der notwendigen politischen Konfrontation die Gemeinsamkeit nicht untergehen zu lassen.

Auf dem Holzweg

Lange ist es her, daß ein amerikanischer Präsident sein Land mit einem Wirtschaftsunternehmen vergleichen konnte. Das Geschäftemachen, in dem Calvin Coolidge vor sechs Jahrzehnten Amerikas universale Aufgabe erkannte – the business of America is business –, steht längst im Schatten weniger profitabler Verpflichtungen.

Zeitspiegel

Westeuropa, immer vorn, wenn es um Vernunft und Frieden auf dem Erdball geht, muß sich einen traurigen Rekord vorhalten lassen: Es hat im vergangenen Jahr mehr Waffen in Länder der Dritten Welt exportiert als die Vereinigten Staaten oder die Sowjetunion.

Worte der Woche

"Wenn Wissenschaft und Technik andere Energiequellen anbieten können, dann kenne ich keinen verantwortlichen Politiker in der Bundesrepublik, der nicht bereit wäre, den Anteil der Kernenergie zugunsten dieser anderen, mit weniger Risiko behafteten Energie zu verringern.

Wolfgang Ebert: Laus im Pelz

Gerhard: Zu einem Einödbauern. Und wie ich den Ernst kenne, befindet sich in dem Koffer entweder eine erste Gratisprobe Sonnenenergie oder eine Salatkopfgeld-Spende der niedersächsischen Landesregierung für Trümmerfrauen im Vorschulalter.

Ermittlungen gegen Kohl: Nicht ganz gleich vor dem Gesetz

Dem Bundeskanzler muß vor seinen politischen Fürsprechern schaudern. Sie tun für ihn, was er sich nicht einmal wünschen könnte, wenn er unter dem Vorwurf angeklagt worden wäre, einen parlamentarischen Untersuchungsausschuß belogen und sich damit wegen falscher uneidlicher Aussage strafbar gemacht zu haben.

NAMEN UND NACHRICHTEN

Die sowjetische Regierungszeitung Iswestija veröffentlichte einen Brief des Bonner Botschafters in Moskau, Jörg Kastl, der sich gegen die Kritik der Zeitung an den Reaktionen in der Bundesrepublik nach der Katastrophe von Tschernobyl richtete.

BONNER BUHNE: Ungestümer Sinn für Gerechtigkeit

Verlauf und Ergebnis einer Reise des Bundestagspräsidiums in der vergangenen Woche nach Israel muß niemanden schmerzen. Dies ist keine selbstverständliche Feststellung nach dem Besuch des Bundeskanzlers in diesem ihm wohl sehr fernen Land, wo jeder Schritt und jede Begegnung seine Art, Geschichte in den Griff zu kriegen, widerlegen.

Berlin: Flucht nach vorn

Auf dem Landesparteitag der Berliner CDU am letzten Wochenende gab sich der Landesvorsitzende und Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen zuversichtlich: "Wir gehen gestärkt aus dem Fall Antes hervor.

Südafrika: Botha in der Klemme

Drei Tage nach dem Überfall südafrikanischer Truppen auf die Hauptstädte der drei Nachbarstaaten Botswana, Sambia und Zimbabwe kündigte Pieter Willem Bothas Regierung die Errichtung eines Gremiums an, das einen Ausgleich zwischen weißen und schwarzen Interessen erarbeiten soll.

Italien: Parteichef ohne Konkurrenten

Zwar beherrschte ein riesiges Kreuz mit der Inschrift "Libertas" – das Parteiabzeichen der Christdemokraten – den Sportpalast, doch es war kein politisches Evangelium, das De Mita dem 17.

Schlucken, was nicht stirbt

Dieses Jahr – das hundertste seit Erfindung des Automobils – wird wohl noch aus einem anderen Grund in die Geschichte der wichtigsten europäischen Industriebranche eingehen.

Bonner Kulisse

Dem Bonner Postminister Christian Schwarz-Schilling ist kein Mittel zu schade, um sich ins rechte Licht zu stellen. Allen Telephonkunden – und das sind weit über 20 Millionen – hat der Postminister ein Faltblatt ins Haus geschickt, in dem er vorgibt, daß "die Post informiert".

Weinmarkt: Pieroth im Pech

Im August vorigen Jahres war die Wut der Winzer noch groß. Aufgebrachte Weinbauern, die mit dem Glykol-Skandal nichts zu tun hatten, ließen ihrer Empörung über die Panschereien ihrer österreichischen Kollegen freien Lauf.

BANK UND BÖRSE: Verkaufen mit Gefühl

Die jüngste Korrektur am deutschen Aktienmarkt zeigt, daß auch hierzulande die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Seit dem Rekordhoch von Mitte April fielen die Notierungen im Schnitt zwischenzeitlich um fünfzehn Prozent und erreichten damit das Niveau von Ende 1985.

MARKT-REPORT: Schub aus Holland

Wie wenig dazu gehört, um die in letzter Zeit rückläufigen deutschen Aktienkurse wieder nach oben in Bewegung zu bringen, haben die Börsentage gezeigt, die dem bürgerlichen Wahlsieg in Holland folgten.

Musikmarkt: Neue Masche

Die Harfenklänge "Zwischen Tag und Traum" endeten mit Mißtönen, die volkstümlichen "Lieder, die vom Herzen kommen", rührten nur wenigen das Herz, und Peter Maffays "Stationen" kamen nicht voran: Am 16.

Kernenergie: Gesicherte Zukunft

Als der Deutsche Bundestag Ende der 50er Jahre die friedliche Nutzung der Kernenergie beschloß, bewies die Lobby der Energiewirtschaft einen sicheren Instinkt.

ZEITRAFFER

Die deutsche Rohstoffrechnung wird allein durch den starken Rückgang der Ölpreise 1986 um nahezu ein Drittel geringer sein als im Vorjahr.

MANAGER UND MÄRKTE

Eine schwer kalkulierbare Hürde muß AEG-Chef Heinz Dürr nehmen, wenn er auf der Hauptversammlung der Daimler-Benz AG am 2. Juli als neues Vorstandsmitglied vorgestellt werden will.

Noch unvorstellbar

Eggert: Für den Zug zur Größe gibt es aus fachlicher Sicht keinen Grund. Im Gegenteil, das Agenturprodukt wird eher darunter leiden.

LÄNDER IM VERGLEICH

Bei den Inflationsraten zeigt sich allenthalben eine Null vor dem Komma. Bei der deutschen Preisveränderungsrate steht sogar ein Minuszeichen davor: Die Preise sind im Vergleich zum Vorjahr gesunken.

Ende des Frühlingssturms

Eikichi Magara schlief in diesem Frühjahr schlecht. "Unsere Gewerkschaftsbewegung steht am Abgrund", befürchtet der Generalsekretär des größten japanischen Gewerkschaftsdachverbandes Sohyo.

Boeing schlägt zurück

Das europäische Flugzeugbau-Konsortium Airbus Industrie zeigt in Hannover erstmals die Modelle von zwei neuen Airbus-Typen, die in fünf Jahren auf dem Markt sein sollen: das Langstreckenflugzeug A340 mit vier Triebwerken für rund 260 Passagiere und das Mittelstreckenflugzeug A330 mit zwei Triebwerken für rund 310 Passagiere.

Konservative Politiker und Wissenschaftler des Kronberger Kreises glauben an ein Patent- rezept fürdie Beseitigung der Arbeitslosigkeit: Mehr Markt und Einschränkung des Arbeitsrechts.: Arbeit vermarkten wie Bananen?

Ausländische Beobachter stehen vor einem deutschen Paradoxon. In der nach Japan erfolgreichsten Exportwirtschaft der Welt lasten streitbare Politiker und Gelehrte die Erfolglosigkeit der Beschäftigungspolitik pauschal dem marktwidrigen Gewerkschaftseinfluß und dem Sozialstaat an und fordern entsprechende Konsequenzen.

Thesen des Kronberger Kreises

Um der Arbeitslosigkeit Herr zu werden, müßten mehr marktwirtschaftliche Mittel eingesetzt werden, erklärt der Kronberger Kreis in seiner Studie "Mehr Markt im Arbeitsrecht".

Japan: Ende des Exportbooms

Die Gastgeber drängten hartnäckig, doch die Gäste ließen sich nicht bitten: Trotz Japans wiederholt geäußertem Wunsch, die Teilnehmer des Industriestaatengipfels von Tokio Anfang Mai sollten Schritte gegen den rapiden Kursanstieg des Yen und den Verfall des Dollarkurses beschließen, geschah nichts dergleichen.

Unzensiert, ungekürzt

Diese Wand ist anders als andere Wände. Seit dem 23. Mai trägt eine von Kölns 5450 Plakatwänden ein neues Gesicht, ungeschminkt ohne Zahnpastalächeln.

Soziale Feuerwehr: Vom Sanitäter zum Samariter

Sie lernen das ABC. A für Ar-beit. B für Beruf und C wie Chan-ce. Fünf junge Frauen sitzen um einen großen Tisch und schauen angestrengt auf das, was Andrea, ihre Lehrerin, ihnen zeigt: "Arbei-ten", sagt sie, "das kommt von Ar-beit.

Wackersdorf: Wachsende Verbitterung

Tränengas und CS-Gas ist gemeint, das der Journalist Hans Kalischek am Bauzaun der Wiederaufarbeitungsanlage von Wackersdorf mehr als einmal abbekommen hat.

Soll sein

Jiddisch spricht man nicht, Jiddisch redet sich oder: Wer steckt hinter dem Rattenverband?

Bitte streicht mich nicht aus!": Denkmal des Exils

Arthur Holitscher (1869-1941) schrieb am 9. Februar 1934 aus dem Pariser Exil an die Frau des Züricher Arztes und Autors Fritz Brupbacher: "Liebste Paulette – bitte streicht mich nicht aus! Ich bin verzweifelt, krank, ohne Hoffnung auf Ausweg.

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