Nach dem Zusammenbruch der Plattenfirma K-tel macht nun ein Neuling Furore

Die Harfenklänge „Zwischen Tag und Traum“ endeten mit Mißtönen, die volkstümlichen „Lieder, die vom Herzen kommen“, rührten nur wenigen das Herz, und Peter Maffays „Stationen“ kamen nicht voran: Am 16. Mai mußte K-tel, die Plattenfirma, die diese drei Flops landete, beim Frankfurter Amtsgericht das Vergleichsverfahren wegen Zahlungsunfähigkeit beantragen. Jetzt entscheidet ein Vergleichsverwalter über das Schicksal des Unternehmens, das einst das heimische Schallplattengeschäft mit neuen Ideen kräftig in Schwung gebracht hatte.

Seit die in Frankfurt ansässige Tochter eines US-Unternehmens 1973 am deutschen Markt startete, gibt es einen neuen Hit in der Branche: Rundfunk- und TV-beworbene Platten und Cassetten. Mit lautstarker, musikuntermalter Werbung in Hörfunk und Fernsehen pries sie landauf, landab ihre Programme, die es so bis dahin auch noch nicht gab. K-tel sammelte nicht mehr ganz taufrische Top-Hits der Schallplattenindustrie und verkaufte sie, auf eine Scheibe gepreßt – unter einem passenden Motto –, von Stimmungsmachern über Disco, Beat bis Lovesongs.

Nicht das klassische Musikgeschäft, bei dem die Plattenfirmen Stars und Sternchen, Solisten und Gruppen unter Vertrag haben, ist das Gewerbe von K-tel. Ihr Geschäft ist das Vermarkten von Musik – das „TV-Merchandising“. Von Musik, so kokettierte einmal ein K-tel-Manager, „darf man nichts verstehen“. Um so mehr vom Konzept und von Werbung. Und beides konnten die Marketing-Spezialisten bestens.

Zu Beginn der achtziger Jahre hatten die Frankfurter Marktmacher ihren Umsatz auf 100 Millione Mark geschraubt, rund 90 Mitarbeiter standen auf den Gehaltslisten. Mit den „Liedern der Schlümpfe“ hatten sie gerade ihren Super-Hit gelandet. Allein 27 Millionen Mark brachten die Schlumpf-Gesänge in die K-tel-Kassen.

Doch so viel Erfolg lockt schnell Konkurrenz an. Schon 1974 hatte sich ein weiterer Außenseiter ins heiße Geschäft der Musikvermarktung gestürzt – Arcade, Tochter eines englischen Unternehmens, die genauso lautstark und erfolgreich ihre Hits landete. Nach und nach stiegen dann auch die etablierten Plattenfirmen ein, auf deren Lizenzen die Marktschreier angewiesen sind. Bertelsmann ließ nun seine Ariola antreten, die britische EMI war ebenso dabei wie die britisch-niederländische Polygram mit dem eigenen Label Polystar.

Damit wurde das Geschäft für die reinen Vermarkter schwierig. Denn zunächst brachten die Unternehmen der Hit-Industrie selbst die neuesten Schlager – gekoppelt mit denen der der Konkurrenz – an die Kundschaft. Erst danach kamen die Merchandiser an die begehrten Lizenzen. Frank Pietsch, Chef der Kronsteiner Dino Music und langjähriger K-tel-Mann: „Damit wurden wir zu Drittverwertern.“