Schwandorf

Nach seinem Alter gefragt, muß Hans Kalischek erst einen Augenblick überlegen. „42“, sagt er dann und entschuldigt sich ironisch: „Man ist schön ganz verwirrt, das kommt von dem vielen Gas hier.“

Tränengas und CS-Gas ist gemeint, das der Journalist Hans Kalischek am Bauzaun der Wiederaufarbeitungsanlage von Wackersdorf mehr als einmal abbekommen hat. In der Mittelbayerischen Zeitung, für die er den Landkreis Schwandorf betreut, kommentierte Kalischek die Pfingst-Krawalle. Er kommt zu einem ganz anderen Ergebnis als jene, die im Wald nur kriminelle Chaoten erkennen konnten.

„Die Verbitterung wächst,“ so überschrieb er seinen Kommentar vom 20. Mai, den wir, leicht gekürzt, hier wiedergeben.

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Was sich am Pfingstmontag auf der Straße zum Roten Kreuz und den sie umgebenden Bereich abspielte, war beinahe bürgerkriegsähnlich. Da gingen Polizeifahrzeuge in Flammen auf, da mußten Polizeibeamte in einem Steinehagel den Rückzug antreten und da eskalierte das gesamte Geschehen endgültig, als die Besatzung eines BGS-Mannschaftshubschraubers über der Straße zum Roten Kreuz immer wieder Tränengasgranaten in die dichtgedrängte Menge warf, in der sich Panik verbreitete. Als der Hubschrauber auch noch tief herunterging und der Wind der Rotorblätter das Gemisch aus Gas und Staub verteilte, war die Verwirrung und vor allem Verbitterung auch unter den nichtgewalttätigen Demonstrationsteilnehmern vollkommen. Mit kaum zu überbietender Aggression entlud sich der angestaute Ärger auf „die da oben“, womit nicht nur die eingesetzten „Ordnungskräfte“ gemeint waren.

Um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen, Gewalt, in welcher Form auch immer, kann niemals ein Mittel sein, um Konflikte zu entschärfen, geschweige denn zu lösen; doch ebensowenig Gegengewalt, wenn ein Großteil der Bevölkerung einer Region sich gegen eine Entscheidung wehrt, die ihr ohne eigenes Mittun „verordnet“ wurde. Die verantwortlichen Politiker, die ihre Informationen offensichtlich immer nur aus zweiter Hand erhalten und die die Stimmung noch immer völlig falsch einschätzen, sollten endlich zu Kenntnis nehmen, daß man so nicht mit Bürgern umspringen kann, die anders reagieren, als man von ihnen erwartet.