Für das Wirtschaftsimperium der Gewerkschaften werden neue Ideen benötigt

Von Heinz Michaels

Meine Mutter kaufte im Konsum. Ich

mochte das nicht, denn in unserem Hausegab es einen Bolle-Laden; zum Konsum dagegen – einem altmodischen, in meiner Erinnerung etwas muffigen Laden – mußte ich einige Häuserblocks weit laufen. Doch meine Mutter war eine sparsame Frau. Im Konsum kosteten viele Lebensmittel einen oder zwei Pfennig weniger als bei Bolle. Und das zählte. Zudem war das Kundenbüchlein, in das die Kassiererin penibel jeden Einkauf eintrug, eine Art Sparbuch, auf das es jedes Jahr eine Rückvergütung gab, mit der der Gänsebraten zu Weihnachten und einiges mehr gesichert waren.

Das war in der Weimarer Zeit. Und um im Konsum einkaufen zu können, mußte man Mitglied sein.

Als die Konsumgenossenschaften nach dem Zweiten Weltkrieg wiedererstanden waren, kam ich kaum je auf den Gedanken, einen ihrer inzwischen modernen Läden zu betreten. Es gab kaum einen Anreiz. Leistungsstarke Supermarktketten lockten mit preiswerteren Angeboten; in der Schlacht um den Verbraucher, im Preiswettbewerb blieb Aldi schließlich Sieger über den "Konsum", der mit dem Rabattgesetz auch seine letzte Trumpfkarte, die Rückvergütung, verloren hatte.

Im vergangenen Jahr wurde nun der Schlußstrich gezogen: Die Gewerkschaften lösten sich von ihrem Engagement bei der co op AG, in der die Konsumgenossenschaften aufgegangen waren. In diesem Jahr sollen die Aktien an die Börse kommen. Damit haben nicht nur die Gewerkschaften ein Stück ihres Wirtschaftsimperiums verloren, damit begann auch eine neue Phase in der Geschichte der gewerkschaftlichen Gemeinwirtschaft, die sich mit der Auflösung des Wohnungsbaukonzerns Neue Heimat jetzt fortsetzt.