Wie Majestät es befahl: Fleißig müssen die Auserwählten auch heute noch sein, begabt und charakterfest

Von Dorothea Hilgenberg

Von einem König ist die Rede, von einem König, der große Schulprobleme hatte. Nicht dergestalt, daß er dem Unterricht nicht folgen konnte – er fühlte sich durch, seine Erzieher schlichtweg unterfordert und litt Zeit seines Lebens unter dem Defizit, obwohl er alles unfrühzeitig Wissenslücken zu schließen. Mit dem Fundus, mag Maximilian II. Joseph von Bayern frühzeitig gespürt haben, war kein Staat zu machen, schon gar nicht das weißblaue Königreich zu regieren. Zwar holte er noch als Kronprinz in Göttingen und Berlin, bei Ranke, Raumer und Dönniges nach, was man ihn zu lehren versäumt hatte, doch schwor er sich: Die Ersten unter seinen Staatsdienern sollen künftig eine bessere Ausbildung bekommen, als er sie hatte.

Eine staatliche Anstalt, ein Athenäum, wollte er gründen und so "talentvollen Jünglingen, welche die Gymnasialstudien absolviert und sich durch alle Klassen sowohl intellektueller, als auch moralischer Beziehung von ihren Altersgenossen rühmlich hervorgetan haben ...", ein sorgenfreies (Jura-)Studium und eine "allseitige Bildung" ermöglichen.

Jünglinge träumen, doch wenn ein Kronprinz träumt, ist das etwas anderes: Er kann sich fast alle Wünsche erfüllen. Max beseelte noch mehr: Wie sein Vater Ludwig I., der mit klassizistischen Monumenten die Residenzstadt München überhäufte, wollte auch er sich mit einem Nationalbau ein Denkmal setzen. Sein Gebäude im angelsächsisch-neugotischen Stil sollte hoch über der Stadt thronen, als krönender Abschluß einer neuen Verbindungslinie zwischen Zentrum und Isar, am Ende seiner künftigen Maximilianstraße.

Daß sich die eine Vision mit der anderen verband, fügte sich trefflich, war jedoch weniger Maximilianscher Weitsicht als der Renitenz zweier Minister zu verdanken. Da weder Kultus- noch Finanzminister den Plan eines staatlichen "Athenäums" besonders überzeugend fanden, mußte der ganz von seinem Bildungsauftrag erfüllte König in die eigene Schatulle greifen: Er gründete die private "Stiftung Maximilianeum", die ihren Sitz im künftigen – stiftungseigenen – Nationalbau haben sollte – zusammen mit einer Sammlung von 24 Marmorbüsten und 30 Ölbildern. Der privaten Rechtsform und dem akribisch festgelegten Stifterwillen verdankt das Maximilianeum seine 134jährige Existenz. Sie überlebte den Sturz der Monarchie und die anderen Systeme – Räterepublik, Weimar und Hitler.

Seither haben sich 636 "Zöglinge" Maximilianeer nennen dürfen. Unter ihnen Bayerns Ministerpräsident Franz Josef Strauß, der wie der spätere Nobelpreisträger Werner Heisenberg zu den "Auswärtswohnern" gehörte. Der Schriftsteller Carl Amery, auch ein Ehemaliger, bescheinigte dem Stifter eine für seine Zeit "außerordentlich fortschrittliche Idee" verfolgt zu haben: "Ohne Rücksicht auf Herkunft faßte diese Stiftung begabte Abiturienten aus allen Landesteilen in einer Pflanzstätte zusammen ..."