Präsident Reagan fordert hundert Millionen Dollar für sfeine Rebellen

Von Joachim Riedl

Comandante Pantera und seine Companera leben auf einer Insel im Rio San Juan, dem Grenzfluß zwischen Nicaragua und Costa Rica. Sie haben sich eine kleine Hütte gebaut: Einen mit grauer, alter Plastikplane geschützten Unterschlupf gedeckt mit Palmenblättern. Einige rostige Flinten lehnen an dem grob gezimmerten Ehebett. Daneben eine Kartentasche, ein paar Schachteln Munition, eine offene Feuerstelle. Das ist das Zentrum des kleinen Freischärlerlagers, das Pantera befehligt. Hier kocht Rosa, die Companera, für die Kämpfer: klebrigen Reis und rote Bohnen, die nie richtig weich werden, dazu Kaffee, süß und schal.

Schnell fällt die Tropennacht über den trägen, braunen Strom. Eng umschlungen stehen die beiden am Ufer, und Pantera meldet über sein Funksprechgerät dem Oberkommandierenden des Flußabschnittes, alles sei ruhig: „Están aqui todos tranquilo.“ In einiger Entfernung krepieren zwei Granaten. „Vier Kilometer“, schätzt Pantera. Ein rundes, abgebrühtes Grinsen: „Die Sandinistas schießen ja Gott sei Dank immer daneben.“

Im Lager schaukeln im Schutz der verstreuten Unterstände Dschungelhängematten aus Beständen der amerikanischen Armee. Ringsum sind Schützenlöcher ausgehoben; erst am Vortag sei eine Granate in geringer Entfernung detoniert. „Heute nacht bleibt es ruhig.“ Mit den schwerfälligen Bewegungen müder Männer kriechen die Kinder unter die olivgrünen Nylondecken. Sie alle erzählen ähnliche Geschichten, geben knappe, scheue Antworten; ohne Kampffieber, ohne Begeisterung und ohne Bedauern. Die meisten in Panteras Lager – wie auch die Camps der Nachbarinseln auf nicaraguanischem Territorium – behaupten, fünfzehn oder sechzehn Jahre alt zu sein. Ihre Bubengesichter lassen sie jünger erscheinen, ihre Erlebnisse vor der Zeit erwachsen.

Jeder fühlt sich als Veteran; manche sagen, sie kämpften bereits drei Jahre in der „Alianza Revolucionaria Democrática“ (ARDE), mit der ihr „Comandante en Jefe“, Eden Pastora Gomez, einst der gefeierte Held der sandinistischen Revolution, die nunmehr regierenden „Betrüger und Verräter“ aus Managua verjagen wollte. Auf den Inseln im Rio San Juan liegt sein letztes Aufgebot: In zerlumpten Uniformen und Gummistiefeln, die im knöcheltiefen Schlamm keinen Halt bieten, ohne Antibiotika, mit ausgeleierten Gewehren, durchgebrannten Funkgeräten und höchstens zwanzig Schuß Munition für jeden der jungen Kämpfer.

Comandante Pepe, der Befehlshaber der Inselgarnisonen, kontrolliert am Morgen die Stellungen auf der Isla del Venado. Im Ufergebüsch hocken junge Guerilleros, das Gewehr im Anschlag. El Viejo hat das 30-Millimeter-Maschinengewehr vor sich aufgebaut; im Januar, sagt er, habe er damit einen Hubschrauber vom Himmel geholt. Felipe, sein Ladeschütze, hat einen der letzten Patronengurte um seinen Oberkörper geschlungen. Er deutet aufs gegenüberliegende Flußufer. Vor zwei Tagen haben von dort aus die Sandinistas im Morgengrauen angegriffen. Es war ein kurzer Kampf: Ihre Boote glitten mitten in die MG-Garben der Verteidiger hinein. „Wir haben sicherlich ein Dutzend erledigt“, prahlt Pepe.